Vormagazin

Ausgabe Juli 2010

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Kultur

Die vielen Gesichter der Ursula Strauss

VORmagazin-Chefredakteur Rudolf Mottinger im Interview mit der vielseitigen Aktrice.

 

Schnell ©Die 2. Staffel von „Schnell ermittelt“ wird 2010 im ORF ausgestrahlt, 2. Staffel, Folge 11, Foto: ORF-Petro Domenigg

Im Interview erzählt die Schauspielerin über ihre aktuellen Filmprojekte, warum ihr die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit so wichtig ist und was den Erfolg der Serie „Schnell ermittelt“ ausmacht.

VORmagazin: Sie drehen bis 10. Dezember in Klosterneuburg unter der Regie von Wolfgang Murnberger den  Film „Mein Freund, der Feind“.  Worum geht’s? Welche Rolle spielen Sie?
Strauss: Der Film handelt vom KZ-Häftling Victor (Moritz Bleibtreu) und dem SS-Offizier Rudi (Georg Friedrich), die als Kinder zusammen aufgewachsen sind und um die Liebe von Lena buhlen, später jedoch durch Rudis Engagement bei den Nazis getrennt werden. Bei einem Flugzeugabsturz rettet Victor Rudi das Leben, und die Lebens- und Machtverhältnisse zwischen den beiden kehren sich um. Ich spiele die Lena, eine Frau, die zwischen 2 Männern steht und sich entscheiden muss. Sie ist seit ihren Jugendtagen mit Rudi und Victor befreundet. Sie sind in sie verliebt, und sie mag auch beide. Eine Zeit lang weiß sie nicht, wo ihre Liebe wirklich zuhause ist, dann aber muss sie sich entscheiden.

VORmagazin: Sie haben erst vor Kurzem den Film „Vielleicht in einem anderen Leben“ abgedreht. Er spielt wieder im Dritten Reich. Diesmal geht’s um die von den Nazis im Osten durchgeführten Todesmärsche der Juden nach Mauthausen. In einem kleinen Dorf kommt der Zug aber zum Stillstand. Sie spielen mit Johannes Krisch ein Ehepaar, das sich nach dem Tod ihres Sohnes an der Front nichts mehr zusagen hat, aber durch die Not anderer wachgerüttelt wird. Wie wichtig ist es für Sie in solchen Filmen mitzuspielen?
Strauss: Sehr. Ich habe mit 12 Jahren eine Dokumentation über KZ-Wärterinnen gesehen. Das hat meine Welt auf den Kopf gestellt. Bis dahin habe ich immer geglaubt, Kriegssache ist Männersache und Frauen haben damit nichts zu tun. Wir haben uns auch in der Schule intensiv mit diesem Themenkomplex auseinandergesetzt, und seither beschäftigt mich das. Wie ich meine, dass einen das immer beschäftigen soll und muss – gerade auch in Österreich, weil die NS–Zeit viel zu wenig aufgearbeitet ist. Und gleichzeitig muss man versuchen, heute solche Tendenzen und Entwicklungen zu verhindern.

VORmagazin: Sie spielen in ihren Produktionen häufig mit den gleichen Männern: Eben Johannes Krisch („Revanche“ und „Vielleicht in einem anderen Leben“) oder Andreas Lust („Schnell ermittelt“ und „Revanche“). Spielt man es sich da leichter?
Strauss: Natürlich gibt es Kollegen, mit denen man lieber zusammenspielt als mit anderen. Ich hatte bisher immer großes Glück gehabt und immer gerne mit meinen Partnern zusammengespielt. Das sind nicht nur der Andreas und Johannes, sondern auch Georg Friedrich. Mit ihm habe ich schon in „Fallen“ und „Böse Zellen“ gedreht und jetzt in „Der Aufschneider “ (ein TV-Zweiteiler, der in Pathologenkreisen spielt). Diese drei Männer kommen immer wieder. Gott sei Dank! Weil sie wirklich toll sind.

VORmagazin: 2010 wird das Jahr der Ursula Strauss. Die beiden genannten Kinofilme und die ORF-Serie „Schnell ermittelt“ stehen an.
Strauss: Dann noch „Live is life“, von Wolfgang Murnberger, mit Blacky Fuchsberger und Jan Josef Liefers. Der Film ist auch schon abgedreht. Und der ORF-Zweiteiler „Der Aufschneider“ mit Josef Hader als Pathologe und ich als seine Ex-Frau. Ja, da kommt einiges. O Gott (lacht)

VORmagazin: Stichwort „Schnell ermittelt“: Ein riesen Erfolg. Die 2. Staffel steht auch 2010 auf dem Programm. Was hat Sie an der Rolle der Chefinspektorin Angelika Schnell gereizt. Sie ist ja keine typische Polizeibeamtin?
Strauss: Sie ist einfach eine besondere Frau. Wir haben die Figur richtig erarbeitet und das tolle an ihr ist, dass sie soviel sein darf; tough, durch ihre private Leben aber auch schwach; sich im Ton vergreifen und dann wieder ganz entzückend sein; lachen und weinen. Die ganze Palette. Und ich darf soviel ausprobieren und viele verschiedene Facetten von dieser Frau suchen. Das macht irrsinnigen Spaß.

VORmagazin: Sie spielen die unterschiedlichsten Frauentypen. Fällt es Ihnen schwer sich umzustellen?
Strauss: Nein. Voraussetzung ist natürlich, dass eine Geschichte gut geschrieben ist. Das richtig und gut geschriebene Wort gibt viel von einer Figur vor, ebenso die Situationen, in die man hineingeschrieben wird. Das Darstellen verschiedener Menschen ist extrem reizvoll. Das ist es auch, was mich in meinem Beruf am meisten interessiert. Deswegen habe ich ihn auch gewählt und glücklich, so viele verschiedene Figuren spielen zu können. Und dass wir dann 2009 für „Revanche für den Auslands-Oscar nominiert wurden, war natürlich ein Geschenk.