
Peter Hofbauer schreibt anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums des legendären Woodstock-Festival über ebendieses.
Eric Burdon bei einem Konzert im Sommer 2009
Als die Hippie-Welle noch hip war – „hip“ im Sinn von „angesagt“, und lange bevor sie dann in den späten 70ern von Punk und Metal abgelöst wurde, da hat die Love and Peace–Generation den Götzendienst am westlichen Wohlstandswunder infrage gestellt und ihm ihre eigenen Ideale entgegengesetzt: eine menschlichere, naturverbundenere, vor allem aber friedlichere Welt. Im Gegensatz zur so genannten „68er Bewegung“ ging es den Hippies nicht so sehr um gesellschaftspolitische Konzepte, als viel mehr um die Selbstverwirklichung in der Gemeinschaft. Dabei hat die Flowerpower im Wesentlichen an den Non-Konformismus angeknüpft, den bereits die amerikanischen Beatnik Poeten der 40er und 50er Jahre – allen voran Allen Ginsberg – auf ihre Fahnen geheftet hatten. Aus europäischer Sicht hat Eric Burdon noch in seiner Animal-Zeit die Idee der Blumenkinder in einem Song beschrieben.
Alte Kinder – junge Kinder
Und allen geht’s gut
Oben der Himmel und unten wir
Auf einer Straße namens Liebe
Auch den Cops könnte es gut gehen
Sobald sie endlich erkennen, worum’s in Wahrheit geht
Liebe, Freiheit und Frieden
Das ist ein alter amerikanischer Traum
Er sollte auch für die Indianer gelten
Das Wunder von Woodstock ist nicht zuletzt sein im Großen und Ganzen friedlicher Verlauf. Und das, obwohl das Festival über weite Strecken in Gefahr war, in einem Chaos von Regen und Schlamm zu versinken. Dazu kam die Unterversorgung der unerwarteten Masse von 500.000 Festival-Besuchern. Da gab es Engpässe mit dem Nachschub von Lebensmitteln. Und medizinische Hilfe musste größtenteils unter Einsatz von Hubschraubern bewerkstelligt werden. Die 50 Ärzte, die da eingeflogen wurden, mussten sich vor allem mit Sonnenbränden, Hitzeschlägen und den unerwünschten Folgen von übermäßigem Drogenkonsum befassen. Aber trotz aller Widrigkeiten hatte man die Aggressionen im Griff. Die Woodstock-Legende berichtet von zwei Streithähnen, die zuerst mit grimmig erhobenen Fäusten aufeinander losgegangen sind. Als die sie umgebende Menge ihnen aber lautstark „Peace, Peace“ zugerufen habe, hätten sie verschreckt voneinander abgelassen und sich unter allgemeinem Jubel versöhnlich die Hände gereicht. Und so gipfelt auch so mancher Song aus dieser Zeit in dem Appell „Get together“. Unter diesem Titel hat beispielsweise eine Band namens Youngbloods ihre Hook-lines abgeliefert:
Kommt zusammen, Brüder und Schwestern
Wir haben nicht viel Zeit auf dieser Welt.
Darum wollen wir sie nützen – in Liebe!
Vor jetzt bald 40 Jahren – da war er ebenso kurz wie intensiv –der schwärmerische Traum einer jungen Generation, die die Fehler der Alten vermeiden und sich ihre eigene Welt völlig neu erschaffen wollte – eine Welt voller Liebe und voller friedlicher Menschen, die ihren Weg zurück ins Paradies finden würden: “Back to the Garden“ – wie die Liedermacherin Joni Mitchell es in ihrem Song „Woodstock“ so blumig ausgedrückt hat. Für sie war dieses Event im August 1969 eine Art Seelenreinigung:
Wie Sternengold so tasten wir
Uns wieder, Stück für Stück
Den Weg, den wir gekommen sind
Ins Paradies zurück
So wars, als wir nach Woodstock kamen
Verliebt und guter Dinger
Verzauberten wir Düsenbomber
In Schmetterlinge
In Woodstock hat es sich noch ein letztes Mal erfüllt - der Traum von Liebe und Frieden. Zwar nur ein Wochenende lang. Aber immerhin.
Peter Hofbauer
Sein Buch „Words” ist im Amalthea Verlag erschienen.