
Adrenalin in Wien
Doping ist Betrug. Das muss einmal in aller Deutlichkeit gesagt werden. Denn offensichtlich sieht man das in unserem Land mehrheitlich etwas anders.
Bernhard Kohl hat Doping mit CERA während der Tour de France zugegeben. Die Nationale Doping-Agentur NADA befindet die Triathletin Lisa Hütthaler des EPO-Dopings schuldig. Ein Bestechungs- bzw. Vertuschungsversuch der ehemaligen U23-Europameisterin wird noch extra zu verhandeln sein. Und auch die Langstreckenläuferin Susanne Pumper wurde des EPO-Missbrauchs überführt (gleich zwei Mal!) und für zwei Jahre von der NADA gesperrt.
Das sind bloß die letzten Fälle in einer sehr langen Liste österreichischer Sportler, die sich mit verbotenen Substanzen Vorteile verschafft haben: 2007 erwischte es den Hürdensprinter Elmar Lichtenegger (Wiederholungsfall/lebenslänglich gesperrt). Sie erinnern sich sicher auch noch an die Doping-Affäre bei den Olympischen Winterspielen in Turin, nach der sechs österreichische Langläufer bzw. Biathleten lebenslänglich für Olympia gesperrt wurden. Und dann wären da noch der Tennisspieler Stefan Koubek (drei Monate Sperre), der Skifahrer Hans Knauß (18 Monate Sperre), diverse Radfahrer oder der Olympia-Bob-Pilot Hubert Schösser - und viele, viele andere! In vielen Medien weltweit haben wir Österreicher bereits einen Ruf wie einstmals die DDR.
Soweit die Fakten. Und nochmals zu meinem ersten Statement: Doping ist Betrug. Betrug am sportlichen Gegner. Betrug am (Fernseh-)Zuschauer (wie haben wir im Juli alle mit Bernhard Kohl mitgefiebert!!). Betrug an den Sponsoren und TV-Anstalten, die Millionen hinblättern. Und last but not least: Betrug am eigenen Körper.
Ich weiß nicht, wie Sie darüber denken: Aber Betrug ist strafbar. Im Strafgesetzbuch (§ 146 StGB) steht über Betrug folgendes: Wer mit dem Vorsatz, durch das Verhalten des Getäuschten sich
oder einen Dritten unrechtmäßig zu bereichern, jemanden durch Täuschung
über Tatsachen zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung verleitet,
die diesen oder einen anderen am Vermögen schädigt, ist mit
Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360
Tagessätzen zu bestrafen.
Also sollten alle, die in einen später gedopten Sportler investiert haben, zumindest ihr Geld einklagen dürfen. Sponsoren, TV-Anstalten, Arbeitgeber, private Unterstützer. Und eine Entschuldigung bei den Fans ist wohl das mindeste. Aber in Österreich wird nicht darüber diskutiert. Nein. Die meisten Sportler beteuern unter scheinheiligen Tränen ihre Unschuld und erfinden hanebüchene Stories wie das verbotene Mittel in den eigenen Körper gelangen konnte. Der Sportler spielt perfekt die Opferrolle. Auch das ist eigentlich Betrug.
Und es kommt noch besser: Im Gemeinderat von Wolkersdorf wurde diese Woche darüber abgestimmt, ob Bernhard Kohl den im Sommer (nach dem vermeintlichen Gewinn der Bergwertung bei der Tour de France) verliehenen Goldenen Ehrenring seiner Gemeinde behalten dürfe. Das Ergebnis ist beschämend: Er darf den Ring behalten. So wird Betrug in unserer Gesellschaft hoffähig gemacht.