Vormagazin

Ausgabe März 2010

Uferlos! - Der Event-Frühling treibt wilde Blüten: 
Verqueerte Events in der Wiener Stadthalle, das Udo-Jürgens-Erfolgsmusical. Plus: Kiss, Mark Knopfler und der Vienna City Marathon!

Gewinn Vor allen anderen...

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Adrenalin in Wien

Mir raucht's!

Rauchen ist gesundheitsschädlich - das steht fest. Die Diskussion um das neue Tabakgesetz ist es auch.

"Austria is a too small country to do good doping", sagte einst der Präsident des österreichischen Skiverbandes (ÖSV), Peter Schröcksnadel. Ich möchte ihn ausnahmsweise gerne zitieren und auf Deutsch sagen: "Österreich ist ein zu kleines Land, um Gesetze richtig umzusetzen bzw. umsetzen zu lassen."

Denn das, was sich seit Einführung des neuen Tabakgesetzes abspielt, würde in Schilda wohl zur Ehrenbürgerschaft reichen. Denn in der Novelle zum neuen Gesetz steht, dass in Gastronomiebetrieben grundsätzlich dort Rauchverbot gilt, wo Speisen verabreicht werden oder dass von für Raucher abgeteilte Bereiche keinerlei Rauch in den Nichtraucherbereich gelangen darf.

Das Gesetz wurde also zum Schutz der Nichtraucher novelliert. Denn, und das haben wohl viele, die jetzt so tun als würden die Raucher von den (bösen, so bösen) Nichtrauchern diskriminiert, vergessen: Rauchen macht nachweislich krank! Und: Wie viele Jahre wurden die Nichtraucher von den jetzt ach so armen Rauchern diskriminiert? Mmh ... seit wann gibt es Rauchwaren? Machen wir doch einen Deal: Genauso viele Jahrhunderte ist Rauchen in Lokalen jetzt mal nicht erlaubt. Okay? 

Doch der Aufschrei der Gastronomen ist dazu viel zu laut. Wenn in ihren Lokalen und Restaurants nicht geraucht werden dürfe, dann sei das geschäftsschädigend. Wenn aber der Lungenkrebs (theoretisch!) alle rauchenden Gäste dahinrafft, ist es das nicht? Und wenn gar Passivraucher darunter wären? Wie wär's, liebe Gastwirte, wenn Sie sich mal einen Augenblick hinsetzten und überlegten, ob man auch kreativ mit der neuen Situation umgehen könne? Raucher sind viel gewohnt. Raucher gehen für den Zug am Tschick auch ins Freie. Und wenn dann dort vielleicht auch noch etwas geboten wird?

Vor zwei Jahren war ich in New York. Ich saß eine halbe Stunde in einer Bar und lauschte den überaus professionellen Karaoke-Vorträgen der anderen Gäste. Ich atmete tief durch. Da wurde es mir erst bewusst: Keiner rauchte! Keiner! Mitten in New York!

Schauplatzwechsel: Olympische Spiele in Turin, ein Café in Sestriere am Tag vor der Herren-Abfahrt. Draußen der Schneematsch. Drinnen dutzende Menschen. Und draußen, vor der Tür, im Schneematsch bei Temperaturen von zwei, drei Plusgraden: noch mehr Menschen! Und die meisten rauchten. Okay, die USA und Italien sind viel größere Länder als Österreich, vielleicht sind wir wirklich zu klein, um zu verstehen, was es heißt, Gesetze umzusetzen und einzuhalten. Und in den USA und in Italien gibt es prozentuell gesehen wahrscheinlich viel weniger Raucher als bei uns, oder?

Übrigens: Die diversen Botendienste und Zulieferer in Wien protestieren jetzt angeblich dagegen, dass es auf Fußgänger-Ampeln auch mal Grün wird. Das sei wegen der langen Wartezeiten geschäftsschädigend....