Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

Gewinn Vor allen anderen...

Benutzen Sie die Hilfslinks zum Navigieren in diesem barrierearmen Dokument.

Volltextsuche

Adrenalin in Wien

Betrug als sportliche Königsdisziplin!

Früher habe ich Sport geliebt: Die reinste Ausformung des menschlichen Wettstreits. Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, Team gegen Team. Dachte ich. Mittlerweile stellt sich mir die Frage: Hat immer schon der gewonnen, der am besten betrogen hat?

Zunächst die Fakten:

1.) Der frühere ÖSV-Langlauftrainer und Begründer des österreichischen Langlaufwunders rund um Christian Hoffmann und Markus Gandler, Walter Mayer, ist seit heute in Haft. Er soll mit EPO, also mit Blutdoping, gehandelt haben. Mayer steht auch in Verbindung mit den Dopingskandalen im österreichischen Team bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City und Turin 2006.

2.) Seit vergangener Woche ist ein österreichischer Radfahrer in Untersuchungshaft, der namentlich nicht genannt wurde. Herrn K. wird ebenfalls der Handel mit Dopingmitteln vorgeworfen. 

3.) Im internationalen Handball geht's drunter und drüber. Der Sport droht im Sumpf von Bestechung und Manipulation unterzugehen. Dänische Schiedsrichter meldeten Bestechungsvorwürfe vor einem WM-Qualifikationsspiel in Rumänien, der deutsche Meister THW Kiel scheint in eine andere Affäre verstrickt zu sein und jeden Tag tauchen andere Kläger auf, die weitere Bestechungs- und Manipulationsversuche aufdecken.

4.) Die Fußball-Legende Pelé bezichtigt die Superstars Ronaldo und Robinho in einem Zeitungsinterview, Drogen zu nehmen bzw. genommen zu haben. Wenn das stimmt, ist auch der Fußball zumindest angepatzt. Stimmt das nicht, sollte Pelé zur Rechenschaft gezogen werden - auch das hätte einen Skandal zur Folge. Egal. 

5.) Der deutsche Biathlon-Sport war bis gestern das Liebkind einer ganzen Nation. War. Denn seit einem ARD-Fernsehbericht steht der deutsche Herrentrainer Frank Ullrich unter Verdacht, zu DDR-Zeiten Doping "verordnet" zu haben. "Ullrich hat uns damals angewiesen, Oral-Turinabol einzunehmen", sagte Jürgen Wirth, 1987 und 1988 Topathlet im DDR-Team. Schwer belastet wird auch der damalige DDR-Cheftrainer Wilfried Bock. Laut Ex-Biathlet Steinigen sei er von den verschiedenen Betreuern genötigt worden, die unerlaubten Substanzen zu schlucken, „insbesondere vom Cheftrainer, damals Herr Bock“. Beide, Ullrich und Bock, hätten die Einnahme kontrolliert. Bock betreut zurzeit den deutschen Staffelolympiasieger Michael Rösch.

Brauchen Sie noch mehr? Fußball-Schiedsrichter, die Spiele für Wett-Geld verschoben haben (Robert Hoyzer)? Radfahrer, die sich selbst als Opfer sehen und alle durch Doping getäuscht haben (Bernhard Kohl und viele viele andere!)? Fußballer, die angeblich die Doping-Probe vergessen haben und genug Zeit gehabt hätten, ihren Urin zu manipulieren (Fall Hoffenheim - wozu gibt's eigentlich Regeln)? Dutzende Biathleten, Langläufer, Leichtathleten, Gewichtheber, und und und ... 

Und ob ich das glauben soll, dass alles anders war, als ich ein kleiner Junge war? Als die DDR und die UdSSR nachweislich systematisch Doping betrieben? Sollen da wirklich die westlichen Staaten und deren Sportler sauber gewesen sein? Oder sollte ich Sport einfach mit ganz anderen Augen sehen müssen: Nämlich, dass die wichtigste Sportart, sozusagen die Königsdisziplin, der Betrug ist, das Tarnen und Täuschen?

Ich jedenfalls will mich damit nicht abgeben und fordere: Wer einmal gedopt erwischt wird (oder mit Dopingmitteln handelt oder jemand anderen zwingt, zu dopen) sollte lebenslänglich daran gehindert werden, seinen Sport (oder sein Traineramt) ausüben zu dürfen und eine saftige Geldstrafe (im Ausmaß von einem Jahresgehalt?) an eine karitative Gesundheitseinrichtung zahlen müssen. Vielleicht bringt das die Betrüger mehr zur Vernunft, als mickrige zweijährige Sperren wie sie in den meisten Verbänden vorgesehen sind. Denn (nur als Beispiel): Im Jahr 2011 darf Bernhard Kohl theoretisch schon wieder als Radprofi in den Sattel steigen - und hunderttausende Euro verdienen.