April 2014

VORwort von Chefredakteur Thomas Landgraf

Wir starten mit dieser Ausgabe unsere Aktion „echt:wien“. Mit unterschiedlichen Ansätzen wollen wir damit ein Ziel verfolgen: dem typisch Wienerischen eine Bühne und eine Plattform geben. Weil es uns als VORmagazin wichtig ist, die Kultur unserer Heimatstadt hochzuhalten: unseren Dialekt, unseren Schmäh, unsere Küche und unsere Lebensart. So falsch kann die ja nicht sein, wenn Wien in Serie zur lebenswertesten aller Städte weltweit gewählt wird. Den Auftakt macht Szenegastronom Ossi Schellmann mit einer Serie über typische Wiener Gaststätten.

Ein besonderes Schaustück, was wir unter unserer Heimat nicht verstehen, lieferte unlängst wieder die selbsternannte „Heimatpartei“. „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen auch Zwerge lange Schatten“, wusste schon Karl Kraus. Einen solchen Zwerg hat die FPÖ an die Spitze ihrer EU-Liste gestellt. Mölzer schwadroniert rechten Unsinn, Strache verteidigt den Blödsinn noch und zum Schluss soll wieder einmal alles ein einziges Missverständnis gewesen sein. Schlimm genug, was da wieder geredet wurde und noch schlimmer finde ich die entsetzliche Feigheit der Rechten, die dann nicht einmal zum Gesagten stehen können. Herr Mölzer, der sich gerne als intellektuelle Avantgarde der FPÖ sieht, ist einfach nur ein Geschichtsrevisionist, der durch sein Dahergerede versucht, das Dritte Reich zu verharmlosen. Kommt man ihm auf die Schliche, dann will er’s nicht gewesen sein. Also: im Kraus’schen Sinne ein Zwerg und ein feiger noch dazu. Eine durch und durch positive Begegnung hatte ich mit dem bayrischen Riesen Ottfried Fischer bei seinem Besuch in Wien.

 

Exklusivinterview.

Fischer verbindet mit Österreich eine lebenslange und tiefe Verbundenheit. Wien – so sagt Fischer – war schon immer die Großstadt seiner Träume. Im vergangenen Jahr feierte er an der Volksoper mit seiner „Wandogo-Philosophie“ Premiere. An dieser arbeitet Fischer derzeit weiter. „Wir leben in einer Zeit, in der wieder Platz für Gefühle ist. Das war vor fünf Jahren noch nicht so“, lautet seine Begründung für das genreübergreifende Bühnenstück. Deswegen habe er auch Wien als Premierenstadt ausgewählt, weil „das österreichische Publikum toleranter ist, wenn man die Grenzen zwischen E und U überschreitet.“ Heimat spielt in Fischers Programmen eine wichtige Rolle. Und der Bayer definiert dabei einen Heimatbegriff, der sich von einer „Blut-und-Boden-Mentalität“ deutlich abhebt: „Es geht einfach darum: Eine Heimatdiskussion zu führen, die bis aufs Blut geht, find ich einfach unmöglich. Heimat ist einerseits die übersteigerte Beziehung zu seinem Grund und Boden, seiner Herkunft, die einfach übertrieben die Dinge ausdrückt und anderen Menschen zum Schaden gereichen kann. Die andere Möglichkeit ist, dass sie den Menschen Kraft und Wurzeln und Bodenhaftung gibt und ihnen hilft, einfach zu wissen, wo sie daheim sind und wo sie herkommen.“ Lesen Sie das komplette Interview hier.

 

Zwei echte Wiener.

Mit Georg Papai in Floridsdorf und Markus Rumelhart in Mariahilf haben es zwei junge Wiener an die Spitze ihrer Bezirke geschafft. Rumelhart wird Anfang Mai sein Amt antreten und ist dann Wiens erster bekennend homosexueller Bezirksvorsteher. Ich finde, das ist ein wichtiges Signal. Es zeigt, dass Wien Heimat für alle ist. Unabhängig von Religion, Herkunft, Geschlecht oder sexueller Ausrichtung. Und das ist ein Heimatbegriff, wie ich ihn leben will. Ich wünsche Ihnen vergnügliche Zeiten mit dem VORmagazin im öffentlichen Verkehrsmittel Ihrer Wahl!

  • www.wienspart.atThomas Landgraf ©Ludwig Schedl© Ludwig Schedl
  • www.wienspart.atOttfried Fischer & Thomas Landgraf ©Jan Frankl© Jan Frankl

Eine Heimatdiskussion zu führen, die bis aufs Blut geht, find ich einfach unmöglich!

Fakten

Thomas Landgraf ist Chefredakteur und Geschäftsführer des VORmagazin

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