Tsvetan Radenkov

Untersuchungen von Triebfedern

Alles ist mehrdimensional. Den Maler Tsvetan Radenkov inspirieren die Abgründe der menschlichen Natur– und der Mainstream.

Text: Mareike Boysen

Wenn Tsvetan Radenkov, unterbricht ihn nur sein eigenes, herzliches Lachen. Die Geschichten sprudeln aus ihm heraus,jedeBeobachtung führt zu einer neuen Idee. Es wirkt so, als versuchte der gebürtige Bulgare, der vor 17 Jahren nach Österreich emigrierte und hier zuerst diversen Brotjobs nachging, die Jahre wettzumachen, in denen er die Kunst vernachlässigte. „Mit meinen Bildern will ich Fenster aufmachen“, sagt er in seiner Atelierwohnung,„und die Betrachter hineinziehen.“ Das Nebenzimmer vermietet Radenkov über Airbnb, am Vortag sind zwei Engländerinneneingezogen, die Mühe hatten, sich im Außenbezirk Hütteldorf zurechtzufinden. „Ich liebe die Kontraste“, sagt Radenkov. „Dass ich in der Stadt lebe, heißt, ich muss mich immer wieder in die Natur begeben.

Radenkov deutet auf eine wilde Grünfläche im Innenhof. Das Geländer seines kleinen Balkons hebt sich vom Rest der grauen Fassa- de ab, weil er es rosa gestrichen hat. Ein Nachbar habe das „schwul“ genannt, was ihn vor allem belustigte. Radenkovs jüngste Werke fallen durch zweierlei besonders auf: ihre stattliche Größe und ihre Buntheit. „Ich halte mich an die alten Meister“, sagt Radenkov, der bewusst nie eine Kunshochschule besuchte, „und bringe expressive Farben dazu.“ Das zwei Meter hohe und über vier Meter lange Werk, das er im Showroom Karlsplatz ausstellen wird, behandele, sagt er, „die vielen verschiedenen Mythen, die uns begleiten.“ Die Idee habe ihn in der St. John‘s Co-Cathed- ral auf Malta ereilt, die das ritterliche Märtyrertum hochhalte.

„Da habe ich mich gefragt: Was treibt Menschen an, für etwas sterben zu wollen?“ Die Leinwand säumen Fundstücke aus Wäldern und Baumärkten, außerdem steht ein Spiegel davor. „Bei mir ist alles dreidimensional“, sagt Raden- kov, „der Betrachter ist Bestandteil.“ Das Attentat auf den Istanbuler Nachtclub Reina am Neujahrstag 2017 sah Radenkov, der oft auf You- Tube unterwegs ist, in einem Livestream-Video. Seine Empfindun- gen hielt er in einem Bild fest. „Ich kann nichts dafür, dass ich in dieser Zeit lebe“, sagt Radenkov, „aber ich will spiegeln, was passiert.“ Dann macht er eine kurze Pause, bevor ihm etwas Neues einfällt.

INFO: Bis 31.8. Ausstellung im Red Carpet Showroom Karlsplatz, 15.12.-15.1.18 Ausstellung im Showroom Volkstheater

 

  • www.wienspart.atGegenmittel ist Antigift ©Tsvetan Radenkov© Tsvetan Radenkov
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Fakten

TSVETAN RADENKOV wurde 1972 in Bulgarien geboren. Als Sohn des Tormanns von Botew Plowdiw verfolgte er lange selbst das Ziel, Profifußballer zu werden, was aber eine Verletzung verhinderte. Seit 2000 lebt er in Wien, 2007 begann er, sich intensiv der Malerei zu widmen. Seitdem hat er in Wien und Barcelona ausgestellt.

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