Vorstellung

Ansichten einer Getriebenen

Die Bildhauerin Angela Fischer verbindet in ihren Werken zeitlose Eleganz mit sportlich-coolen Designs.

Text: Mareike Boysen

Sie sei erst neulich drauf gekommen, sagt Angela Fischer, dass alle Möbel in ihrer Wohnung in Wieden auf Rollen statt auf Beinen stünden. Die Absolventin des Kollegs für Innenraumgestaltung und Möbelbau der HTL Mödling hat sämtliche Kästen, Tische und Sessel selbst entworfen und ihren Bedürfnissen angepasst. „Ich habe es gerne mobil“, sagt sie, „und ich habe es gerne grau.“ Den verarbeiteten Holzresten verpasste Fischer mit Autolack samtige Oberflächen in diversen Grau- und Schwarzschattierungen.

Fischer hat eine Vorliebe für klare Systeme. „Ordnung schafft beim Arbeiten Effizienz, Raster haben eine pure Ästhetik“, sagt sie. Ihre Werke, die innerhalb dieser Systeme entstehen, sollen keinesfalls gleichförmig ausfallen. Dass man an der HTL jedes Astloch als Holzfehler deklarierte und entfernte, habe sie sehr gestört. „Fischer, das muss ÖNORM sein“ hörte sie dort immer wieder. Im Oktober des vergangenen Jahres trat sie ein Bildhauerei-Studium an der Akademie der bildenden Künste an. „Es ist schön, wenn man nicht gegen seine Natur leben muss“, sagt Fischer.

Die Beschleunigung des sozialen Wandels ist ein Thema, das sich ihr durch die Lektüren von Paul Virilio und Charles Baudelaire erschloss und sie in ihrer Arbeit begleitet. Fischers Skulpturen verbinden daher ein traditionelles, natürliches mit einem anthropogenen Material: Holz mit Carbon. Der Autolack dient der Konservierung und dem Designanspruch. „Eleganz ist mir zu wenig“, sagt Fischer. „Ich brauche auch Sportlichkeit und Coolness.“

Die leidenschaftliche BMW-Fahrerin bricht überhaupt mit vielen Künstlerklischees. Inhalt und Ästhetik schlössen sich nicht gegenseitig aus, sagt sie zum Beispiel. Statt eigenen Befindlichkeiten stehen bei Fischer die Anforderungen der Materialien im Vordergrund. „Ich muss sehr achtsam sein“, sagt sie, „damit die Lackierungen gelingen.“

Im August stellte sie bereits unter dem Titel „We All Are Stardust“ im Red Carpet Showroom am Volkstheater aus. Für die größere Fläche am Karlsplatz hat sie ein riesiges Rasterbild aus Lack und Technopolymer-Kreuzen hergestellt. „Wenn man darauf sieht, flimmert es“, sagt Fischer. Schon wieder ist alles in Bewegung.

Info: Bis 15.9. Ausstellung im Red Carpet Showroom Karlsplatz, 4.11. Ausstellung im Semperdepot, af-art.at

  • www.wienspart.atAngela Fischer ©Bubu Dujmic© Bubu Dujmic
  • www.wienspart.at„Investiere in Geschwindigkeit" ©Angela Fischer© Angela Fischer

Fakten

Angela Fischer wurde 1991 in Wien geboren und besuchte das Kolleg für Innenraumgestaltung und Möbelbau der HTL Mödling. Seit Oktober 2016 studiert sie an der Akademie der bildenden Künste im Fachbereich Textuelle Bildhauerei bei Heimo Zobernig. Sie hat bisher in Österreich und Deutschland ausgestellt.

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