VORstellung

Stylianos Schicho

Auch wenn Stylianos Schicho bereits als Kind zeichnerisches Talent zeigte, führte sein Weg zur Kunst doch über einen Umweg.

Stylianos Schicho studierte zunächst drei Jahre am Juridicum in Wien, währenddessen er zunehmend erkannte, dass er in den Vorlesungen lieber zeichnete, als sich mit juristischen Fragen auseinanderzusetzen. So bewarb er sich an der Universität für angewandte Kunst und begann damit offiziell seine Künstler-Karriere. Heute kann Schicho auf eine beachtliche Anzahl von Ausstellung zurückblicken, wie in der Kunsthalle Krems und im Leopold Museum. Aber nicht nur in Österreich ist seine Kunst gefragt – sondern auch in Luxemburg, Amsterdam oder Miami hat er bereits seine Werke präsentiert.

Schichos künstlerischer Themenschwerpunkt, das „Beobachtetwerden“, hat sich bereits zu Beginn seines Studiums 1998 herauskristallisiert und fasziniert ihn bis heute. Geleitet von einer gesunden Portion Neugierde, ist er stets auf der Suche nach dem perfekten Blick. Ein besonders spannendes Element in seinen Werken ist die Spiegelung, in welcher der Betrachter zum Betrachteten wird – überwachte Betrachter und gefangene Beobachter. Gleichzeitig aber erweckt der Betrachter selbst das Kunstwerk zum Leben. Stylianos Schichos künstlerisches Sujet ist im Wesentlichen der Mensch, mit Konzentration auf sein Antlitz – und hier vor allem dessen Ausdruck. Die Figuren in seinen Werken sind in Nahaufnahme in einer Vogelperspektive oder Schrägansicht dargestellt und erzeugen eine Spannung zwischen Kunstwerk und Betrachter, die beinahe beklemmend wirkt. Verstärkt wird dies zusätzlich durch den stechenden Blick der Dargestellten, welcher direkt in unsere Intimsphäre einzudringen scheint.
In Schichos Arbeiten spiegelt sich der gegenwärtige Zeitgeist wider. Dies zeigt sich einerseits im Haarschnitt, an der Kleidung oder am iPhone seiner Figuren und andererseits in seiner inhaltlichen Auseinandersetzung mit Sozialen Medien, dem Internet und der Überwachungsgesellschaft.

Aktuell setzt sich Schicho mit dem Thema „Geschwindigkeit“ auseinander. Das kürzlich entstandene Kunstwerk „In the Mean / Time“ ist ein gelungener künstlerischer Ausdruck dieser Auseinandersetzung. Hauptsujet ist ein überdimensional dargestellter Flatscreen, womit Schicho auf die überschäumende Flut von Informationen anspielt. Nachrichten, die uns überschwemmen und die wir mehr oder minder emotionslos in uns aufnehmen. Wir bewegen uns, so Schicho, oft nur mehr in einer Zwischenzeit, von einem Termin zum nächsten, von der Arbeit nach Hause …

„In the Mean/Time“ ist aktuell nicht nur im Original in der Galerie Clairefontaine in Luxemburg, sondern auch als Reproduktion im öffentlichen Raum Wiens zu sehen. Stylianos Schicho ist Preisträger des Megaboard Art Wall-Projektes, welches in Kooperation mit Artware entstanden ist. Auf einem 40 qm großen Megaboard (Standort: A2 Südautobahn, Stadteinfahrt) ist die Arbeit fast beängstigend groß aufgezogen. Der öffentliche Raum ist für Schicho eine große uneingeschränkte Galerie, ein idealer Ort, um auf wichtige gesellschaftliche Themen aufmerksam zu machen, der für jeden „zugänglich“ ist.

Die überzeichneten Figuren und Posen seiner Werke erinnern an die Bildsprache von Comics, wobei der Künstler im Laufe der Jahre einen ganz eigenen künstlerischen Stil entwickelt hat, der locker und frei anmutet. Das Umfeld verschwimmt, wird nur schemenhaft dargestellt. Die Konzentration liegt auf dem Wesentlichen – dem Blick. Schicho arbeitet vor allem mit Kohle, was seiner zeichnerischen und grafischen Vergangenheit entspringt. Die Figuren und Objekte sind oft transparent, beinahe gläsern dargestellt, so als würden sie sich auflösen. Oft malt Schicho mehrere Schichten von Figuren und Objekten überlappend, was sehr wohl auch psychologisch interpretiert werden kann – das Maskieren und Demaskieren, das Verschleiern und Offenlegen. Doch stets ist der Blick im Zentrum seines künstlerischen Schaffens, welcher durch den Betrachter zum Leben erweckt wird.

  • www.wienspart.atStylianos Schicho ©Peter Kainz© Peter Kainz
  • www.wienspart.atIn the Mean : Time ©Peter Kainz© Peter Kainz
  • www.wienspart.atThe Great Awakening ©Peter Kainz© Peter Kainz

Fakten

Schichos Lieblingsorte in Wien
 – D-Wagen: Die Strecke verbindet für ihn die unterschiedlichen Grätzeln und Gegensätze, die für Schicho Wien ausmachen.

– Gasthaus „Zum Renner“, Nussdorfer Platz

– Restaurant „Epos“, Spittelberg

Alle Infos:
stylianosschicho.com

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