vorstellung

Andreas Nader

Bewahrer des Alten. Der Fotograf und Grafiker Andreas Nader bedient sich bevorzugt analoger Techniken und gebrauchter Materialien.

Text: Mareike Boysen

"Es wird zu viel weggeschmissen"

Der große Gemeindebau in der Pilgerimgasse nahe der Schmelz sei, so erzählt es der Hausmeister, in der Zwischenkriegszeit erbaut und als Lazarett für Offiziere gedacht gewesen. In einem der Kellerabteile teilt sich Andreas Nader mit zwei befreundeten Künstlern ein Atelier, im Hinterzimmer haben sich die drei eine Siebdruckwerkstatt eingerichtet. Für seine aktuellen Drucke hat Nader bewusst vergilbtes Papier verwendet, das er in einer aufgelösten Buchbinderei erstanden hat. „Das ist dort schon Jahrzehnte lang herumgelegen“, sagt er. „Ästhetisch und haptisch finde ich das viel interessanter als jedes Hochglanzpapier.“ Nader ist oft auf Flohmärkten unterwegs, verarbeitet Fotos seiner Großmutter, sammelt Postkarten und Landkartenmaterial. „Es wird viel zu viel weggeschmissen“, sagt er. Für eine Collage, die an der Wand hängt, hat er mit Kunsthonig gearbeitet, einem Produkt aus Zeiten der Lebensmittelknappheit. Neben dem Sofa steht ein ausgedienter Basketballkorb, den er für eine Ausstellung auf willhaben.at erstanden hat.

Ein Jahr hat Nader als Erasmusstudent im litauischen Vilnius verbracht – und dort in Hinterhöfen verlassene Basketballkörbe fotografiert. „Die Ausstattung an der Uni war längst nicht auf dem Stand der Zeit“, sagt Nader. „Wir haben in der Fotodunkelkammer mit Chemiepulver den Entwickler zusammengerührt. Aber es war toll, total analog arbeiten zu müssen.“ Auf den Philippinen führte er das Basketballkorb-Projekt fort, in Zukunft wolle er sich mehr mit Österreich auseinandersetzen.

„Heimat, fremde Heimat“ warauch der Titel einer Ausstellung, die Nader für die Jan Arnold Gallery kuratiert hat. Der seit einem Jahr bestehende Kunstraum im Museumsquartier vergibt Artists-in-Residence- Plätze an Künstler aus der ganzen Welt. „Mir ist der Austausch wichtig“, sagt Nader. Wobei er Wert darauf lege, nicht ständig erreichbar zu sein. „Meine Generation ist die letzte, die analog aufgewachsen ist. Wir sind mit dem Walkman zur Schule gegangen, haben Telefonzellen verwendet“, sagt Nader. „Und wer“, fragt er, „soll diese analogen Welten bewahren, wenn nicht wir?“

Info: Bis 15.11. Ausstellung im Red Carpet Showroom Karlsplatz, 5.-6.11. Installation „The Oil Went To the Beach“ am Karlsplatz, 8.-27.11. Ausstellung „10x15“ in der Jan Arnold Gallery im MQ

  • www.wienspart.atAndreas Nader ©Bubu Dujmic© Bubu Dujmic
  • www.wienspart.at"After the Game" Manila ©Andreas Nader© Andreas Nader
  • www.wienspart.at"After the Game" Vilniua ©Andreas Nader© Andreas Nader
  • www.wienspart.at"Spurenwechsel" ©Andreas Nader© Andreas Nader

Fakten

Andreas Nader wurde 1981 in Wien geboren und studierte in Linz Fotografie und Grafikdesign. Als Kurator der Jan Arnold Gallery im MQ lädt er regelmäßig internationale Künstler ein. Er hat in Österreich, Deutschland, Polen und den USA ausgestellt und Projekte in Georgien und Armenien realisiert.

andreasnader.com, janarnoldgallery.com

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