Peter Edelmann

„Das Wunderland der Operette entschleunigt“

Interview. Der Wiener Bariton Peter Edelmann (55) ist der neue künstlerische Direktor der Seefestspiele Mörbisch. Ein Talk über Visionen und Emotionen.

Was macht den besonderen Reiz der Seefestspiele Mörbisch aus?

Die Seefestspiele Mörbisch sind weltweit das größte Operettenfestival unter freiem Himmel. Die einmalige Lage der Bühne am Neusiedler See macht jeden Besuch besonders. Zumal wird man hier die Meisterwerke der Operetten so erleben wie sonst nirgends. Eine Aufführung in Mörbisch ist für Besucher aller Altersgruppen attraktiv und sehenswert. Monumentale Bühnenbilder, feines Lightdesign, tolle Sänger, hinreißende Musik, niveauvoller Humor, technische Effekte – bis hin zum obligaten Feuerwerk!

Mit welchen Emotionen treten Sie an Ihre neue Aufgabe heran?

Die Gefühle, wenn ich jeden Tag aufwache und wieder realisiere, dass ich dieses Festival zusammen mit einem tollen Team mitgestalten darf, kann man nicht in Worte fassen. Ich freue mich jeden Tag auf die Arbeit, diesem großen Festival meine künstlerische Handschrift zu geben.

Welche Schwerpunkte wollen Sie als künstlerischer Direktor setzen?

Kernstück wird die Aufführung auf der Seebühne sein. Angefangen vom Leading-Team über die Solisten und Darstellerinnen, über Chor und Orchester muss alles meinen hohen Ansprüchen genügen. Aber auch das Drumherum vom Empfang und der Betreuung unseres Publikums, den kulinarischen Angeboten bis zur reibungslosen Abfahrt mit dem Auto vom Festspielgelände liegen mir sehr am Herzen.

Wie sieht Ihre langfristige Vision für die Seefestspiele aus?

Ohne Zweifel stehen die „großen Titel“ auf der Wunschliste der kommenden Jahre. Gerne möchte ich dieses urösterreichische Kulturgut auch in Länder bringen, die die Operette noch nicht für sich entdeckt haben (die Seefestspiele gastierten gerade mit der „Fledermaus“ in Korea), umgekehrt soll Publikum aus dem Ausland zu unseren Vorstellungen kommen, das noch nie in Mörbisch war. Dafür planen wir für nächstes Jahr Übertitel in diversen Sprachen, die über WLAN am eigenen Smartphone empfangen werden.

Mörbisch feiert dieses Jahr 60-jähriges Jubiläum. Welche Bedeutung haben die Seefestspiele in der österreichischen Kulturlandschaft?

Mörbisch unterscheidet sich von anderen großen Festivals erheblich. Es ist stressfreier, ruhiger, wenn man will familiärer, netter, persönlicher, humorvoller. Man kann einen Besuch mit einer Bootsfahrt, mit einem Spaziergang durch die Weinberge oder mit einem guten Essen am Gelände verbinden.

2018 steht „Gräfin Mariza“ auf dem Spielplan. Was erwartet die Besucher im kommenden Sommer?

Das von Manfred Waba konzipierte Bühnenbild verspricht schon jetzt etwas Besonderes zu werden. Ich erwarte mir eine große Überraschung für die Besucher. Die Besetzung setzt sich einerseits aus Künstlerinnen und Sängern zusammen, die noch nie auf der Seebühne aufgetreten sind, wie z. B. Vida Mikneviciute, Julia Koci, Alexander Geller oder Roman Payer, und Publikumslieblingen, wie Melanie Holliday als Bozena und Franz Suhrada als Beniček. Als Dirigent konnte ich den Wiener Vollblutmusiker Guido Mancusi gewinnen, der mit diesem Genre schon Jahrzehnte vertraut ist. Zudem wird es eine Kinderproduktion der „Mariza“ geben, die dieses Werk Kindern zwischen 8 und 12 Jahren näherbringen wird. Mörbisch, das Wunderland der Operette, wird das Publikum 2018 entschleunigen, bereichern und im höchsten Maße unterhalten!

  • www.wienspart.atPeter Edelmann ©Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin© Seefestspiele Mörbisch/Jerzy Bin

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