
Klaus Eckel macht sich Gedanken über Freundlichkeit im Alltag. Unpersönlich. Und persönlich.
In einigen Geschäften wird man je nach Tageszeit unterschiedlich begrüßt. Am Vormittag mit „Guten Tag“ und am Nachmittag mit „Wir schließen glei …“ Auf Einkaufsstraßen wurde vor Jahren dem Wort „gleich“ das „ch“ einfach wegkastriert. Wahrscheinlich will man dem Kunden damit zum Ausdruck bringen, wie bald man schließen will. Falls dann doch das „ch“ ertönt habe ich immer das Gefühl es soll mich im Rücken treffen und aus dem Geschäft schießen. Jedoch ist mir diese authentische Sympathiebekundung noch immer lieber als dieses „Herzlich Willkommen“ von dieser einen Kaffeebohnenkette.
Sie wissen schon dieses Geschäft, wo man von Steppdecken bis Starterkabeln alles kaufen kann und wenn man zu Hause die Ware auspackt, riecht Sie immer nach Espresso. Egal, dort wurde hunderten Verkäufern dieser Einheitsgruß antrainiert. Wahrscheinlich auf einem Seminar mit dem Titel: „Bleib, wie wir sind“. Da jedem Kunden diese inszenierte Freundlichkeit entgegen schallt, fühlt man sich nach einiger Zeit wie am Muttertag. Tausende Mamas, aber immer das gleiche Gedicht. Freundlichkeit wird immer unpersönlicher.
Ich finde es schade, dass in manchen Restaurants den Gruß aus der Küche ein Krabbencocktail übernehmen muss. Köche dürften sehr schüchtern sein. In Hotels dürfen Bonbons auf gefalteten Kopfkissen für Aufmunterung sorgen. Einmal biss ich mir an einem solchen eine Plombe aus. Als am nächsten Tag die Dame an der Rezeption mir die Hotelrechnung entgegen hielt, sagte ich: „Ach Gott, meine Brieftasche liegt im Auto. Ich komme glei…“ Ich hoffe mein „ch“ hat getroffen.