
Täuschen und Tarnen können wir jetzt. Aber wie führt man sich selber hinters Licht? Endlich gibt es darüber eine Studie. Wenn man in einem Pissoir ein kleines Plastiktor mit einer an einem Faden baumelnden Kugel befestigt, erhöht sich die Treffsicherheit um 70%. Was uns dieses Ergebnis über die männliche Psyche sagen will, überlasse ich Ihnen. Nun muss ich zugeben, dass in meinem Stammlokal eine gewisse Begeisterung über diese Toilettenanimation bemerkbar ist. Die WC-Besuchsfrequenz erhöhte sich massiv. Auch bewährte Tischverabschiedungsphrasen wie: „Ich muss mal Lackie machen“ wurden schleichend durch „das Match fängt gleich an“ ersetzt. Den ständig aus der Toilette ertönenden Torjubel nimmt unsere Wirtin mittlerweile gelassen entgegen. Sie meint dann immer: „ein kleiner Sieg für ihn, aber ein Großer für die Sauberkeit“. Die menschliche Psyche auszutricksen ist eine spannende Kunst. In Japan benützen etliche Angestellte, die in der Früh Hemmung beim Aufstehen haben, den Wecker „Super Clocky“. Dieser läutet nicht nur, sondern springt gleichzeitig von der Kommode und läuft durch den Raum. Bei dem Versuch diesen einzufangen, wird durch die Bewegungen der Kreislauf angekurbelt und der erfolgreiche Jäger ist nachher wach. Ich nehme nur an, dass, wenn man dieser läutenden Beute bis zu Mittag erfolglos hinterher hetzt, einem der Kreislauf irgendwann sagen wird: „Bitte leg dich wieder hin“. Übrigens, in der Studie stand auch, dass Menschen die sich beim Essen selbst beobachten können, ein Drittel weniger Kalorien verschlingen. Morgen bekomme ich Besuch. Bevor die Gäste eintreffen, hänge ich ganz sicher einen Spiegel auf.
Klaus Eckel ist Kabarettist.
www.klauseckel.at