Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

Gewinn Vor allen anderen...

Benutzen Sie die Hilfslinks zum Navigieren in diesem barrierearmen Dokument.

Volltextsuche

Eckel

Im Lauschrausch

Klaus Eckel über den Beichtstuhl und Sünde.

Seit fünf Jahren verstecke ich mich bereits hinter einem Beichtstuhl und nehme diverse Geständnisse auf. Meine brisante Datenkassette habe ich jetzt dem Staat angeboten. Meine Bedingungen lauten: 10.000 Euro, nur in kleinen Scheinen, keine Polizei. Ein hoher Beamter im Finanzministerium bekundete bereits Interesse. Die meisten aufgenommenen Verbrechen schwanken vom Härtegrad her zwischen „Klingelton illegal runtergeladen“ bis zu „meinem Beagle keine Hundemarke umgehängt“. Bei Kindern schalte ich mein Tonband mittlerweile aus. Meistens lautet nämlich die letzte Sünde, dass sie alle bisher Gesagten erfunden haben. Kinder stehen regelmäßig mit einem Fragezeichen vorm Beichtstuhl. Ich konnte einmal einen Buben belauschen, der seinen Freund fragte ob er ihm „einen Diebstahl schnorrt“. Er meinte tatsächlich: „Ohne Sünde bringt der Pfarrer mich um.“ Doch keine Sorge Kinder. Kommt Zeit, kommt Verfehlung. Letzte Woche dauerte ein Gespräch mit einem Finanzanlageberater so lange, dass sich der Pfarrer zwei Mal den Pizzaboten kommen ließ. Es ist sicher auch kein Zufall, dass mit Beginn der Wirtschaftskrise die lange Nacht der Kirchen eingeführt wurde. Vielleicht sollte man nur den Beichtenden endlich mitteilen, dass die rote Lampe über dem Beichtstuhl nicht  „besetzt“ sondern „Aufnahme läuft“ bedeutet. Eigentlich wäre der Job als Beichtlauscher ein bomben Geschäft. Nur letztes Mal wurde ich dabei von einem Mann mit einer Videokamera aufgenommen. Für sein Schweigen verlangt er 10.000 Euro.

Klaus Eckel ist Kabarettist.
www.klauseckel.at 

von Klaus Eckel

Klaus Eckel ist Kabarettist.