
Ich fahre eigentlich sehr gerne Auto. Anscheinend zu langsam. Als ich letztes Mal von einem Fiaker auf der Ringstraße überholt wurde, schnalzte der Kutscher während des Überholvorgangs mit seiner Gerte auf die Windschutzscheibe meines Autos. An der Ampel standen wir dann nebeneinander. Ich kurbelte das Autofenster herab um ein Gespräch zu eröffnen: „Damit kannst du vielleicht deine Pferde beschleunigen, mich aber nicht!" Als der Kutscher daraufhin seine Gerte in meine Fahrerkabine streckte, ergriff ich diese, zog daran und ihn von seinem Sitz. Der Kutscher landete auf der Straße, stand jedoch sofort auf und zerschlug mit hochrotem Kopf den linken Seitenspiegel meines Autos. Danach folgte dieser berühmte kurze Moment der Stille. In diesem zeitlich kaum zu beziffernden Augenblick überlegt sich jeder Konfliktteilnehmer: „Wie komm ich da wieder raus?" Die gleiche Frage stellte sich anscheinend auch das in der Kutsche befindliche japanische Ehepaar. Der Mann riss hektisch die Fiakertür auf, stieg aus, trat leicht vorgebeugt vor den Kutscher und meinte: „Mister, you know, it is a good day for a walk." Seine noch in der Kutsche befindliche Frau rief ihm zu: „Kaito!" Der Mann drehte sich lächelnd zu ihr und sie drückte auf den Auslöseknopf einer Spiegelreflexkamera. Ich nützte diese Gelegenheit, streckte dem japanischen Mann eine Visitenkarte zu und ergänzte diese Handlung mit der Bitte: „Can you send me a copy of the photo? I need it for the Unfallbericht." Plötzlich mussten wir alle lachen, wirklich alle. Der Kutscher, ich, und das japanische Ehepaar. Und zwar so laut, dass wir dabei die Hupen von sämtlichen Autos völlig überhörten.
Klaus Eckel ist Kabarettist
www.klauseckel.at