
Jetzt fällt es langsam auf: Der Süden ist immer mehr pleite als der Norden. Griechenland ist bereits umgefallen, Spanien und Portugal wackeln und die Lage in Italien lässt sich vom amtierenden Regierungschef kaum mehr weggrinsen. Zumindest versucht Silvio mit Haartransplantationen und Facelifting von der Misere abzulenken. Damit kommt er wahrscheinlich dem Bevölkerungswunsch nach, dass die Politik endlich neue Gesichter braucht. Außerdem kann er bei seinen unzähligen Gerichtsverhandlungen selbstbewusst behaupten: „Das war nicht ich, das war der Mann vor meiner Birnenstraffung!" Meiner Beobachtung nach hat das Klima einen erheblichen Einfluss auf das Bruttonationalprodukt und vor allem auf die Steuermoral. Anders gesagt, wo viel Sonne, da viel Schattenwirtschaft. Wenn man lange genug in diesen glühenden Fixstern blickt, kann man schon die Einstellung bekommen: „Ach, für uns brennt immer ein Anderer!" Auch innerhalb der Staaten wird der Süden stets mit Argusaugen betrachtet. Katalanen darf man auf das bettelarme Andalusien nicht ansprechen, Südtiroler betrachten Kalabrien als Sozialprojekt und ah ja auch wir haben unser Kärnten. Übrigens, ich hätte die dort ansässige Bank Hypophyse genannt. Das heißt nämlich aus dem Griechischen übersetzt: „das unten anhängende Gewächs". Ich finde treffender geht es gar nicht. Trotzdem eines muss man den finanzschwachen Regionen lassen. Sie sind alle sehr schön. Vielleicht verhalten sich attraktive Gegenden wie atemberaubenden Frauen, wenn man mit Ihnen ein schickes Restaurant besucht. Sie konsumieren fleißig, Ihnen fällt jedoch erst nach Rechnungserhalt ein, dass Sie die Geldbörse vergessen haben. Mein Vorschlag wäre, dass die Nordländer Europas Ihr letztes Geld in ein riesiges Sonnensegel investieren. Das spannen wir vom Lavanttal bis Gibraltar, von Lissabon bis Athen. In der Hoffnung, dass abgekühlte Köpfe dann besser wirtschaften.
Klaus Eckel ist Kabarettist
www.klauseckel.at