Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

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Eckel

Früher und später

Klaus Eckel über andere Länder und ihre Kulturen

Im 16. Jahrhundert galt in Frankreich rohes Katzenfleisch als wirksames Mittel gegen Asthma. War jedoch gerade keine Katze verfügbar, sollte man den Schaum vorm Maul eines Maultiers trinken. Später hielt man es in England für bewiesen, einen Masernkranken heilen zu können, indem man ihm ein lebendes Schaf ins Bett legte. Im Mittelalter hat man sich in Deutschland eine Kröte bei Zahnschmerzen ins Gesicht gebunden. In Japan drohte man Obstbäumen mit einer Axt, weil die Bäume dann angeblich besonders viele Früchte trugen. In russischen Dörfern rollten die Frauen den Priester im Frühjahr über die keimende Saat, um das Wachstum zu beschleunigen. Um Kopfschmerzen zu lindern, atmete man im alten Ägypten den Rauch von brennenden Sandalen ein. Die alten Römer vermuteten, man könne trübe Gedanken verscheuchen, indem man einen Finger mit Spucke anfeuchtete und sich damit hinterm Ohr kratzte. Die Massai in Ostafrika waren sich sicher, dass Kinder, die mit ihrem Schatten spielen, Bettnässer werden. In Portugal hielt man es für unbestreitbar, dass ein Mann seiner Frau die Geburtswehen erleichtern könne, indem er einen Ziegel von einem Kirchendach holte, diesen in die Höhe hielt und wendete. In Mexiko galt es als gesichert, dass jedem der ein Tier bei der Darmentleerung beobachtet hatte, ein Gerstenkorn wachsen würde. In Zentraleuropa wurde bei Kahlköpfigkeit von Ärzten empfohlen, eigene Schamhaare in eine frisch gekochte Hühnersuppe zu rühren und diese dann zu genießen." Mit diesen Geschichtsfragmenten unterbrach ich neulich eine ältere neben mir auf der Parkbank sitzende Dame. Sie schmetterte mir nämlich kurz davor folgenden Satzanfang ins Gesicht: „Früher war alles besser ..."

Klaus Eckel ist Kabarettist
www.klauseckel.at

von Klaus Eckel

Klaus Eckel ist Kabarettist.