
ES STIMMT DOCH. Auf die Größe kommt es an. Warum in Wahrheit eigentlich die Kleinen die Großen fressen.
Letztes Mal war ich in Schönbrunn. Bei Fu Long. Alle stehen auf ihn. Ich nicht. Ich finde, Pandabären können nicht sehr viel. Haben Übergewicht, verschlafen zwei Drittel vom Tag und rappeln sich nur einmal im Jahr zum Geschlechtsakt auf. Der neben mir stehende Besucher meinte, mit solchen Tieren kann man sich eben identifizieren. Danach pilgerten wir zu den frischgebackenen Eisbärenbabys. Die gelten derzeit als goldig, putzig und zum Fressen. Nur wehe Sie wachsen. Der deutsche Eisbär Knut kann ein Lied davon singen. Mit jedem Kilo schrumpfte seine Popularität. Plötzlich wurde bekannt, dass ausgewachsene Eisbären sogar manchmal ihre Jungen fressen. Ich warte bereits auf die Schlagzeile: „Knut wird Monster“. In der Hitparade der Bären steht der Braunbär ganz unten. Er ist der Osama bin Laden der Tiere – alle suchen ihn. Wahrscheinlich träumen die sich im Wald versteckenden Braunbären den ganzen Tag von einem schwarz-weiß schattierenden Fell und zwingen ihren Nachwuchs bereits, Eukalyptus zu fressen. Mit dem Satz „Ihr sollt es besser haben als eure Eltern“ könnten sie diese radikale Ernährungsumstellung argumentieren. Und bitte immer schön putzig bleiben! Übrigens: Das gilt auch für den Menschen. Solange man Windeln trägt, darf man alles. Schreien, sabbern, erbrechen. Jede noch so kleine Einlage wird von stolzen Eltern mit dem Handy fotografiert. Doch es kommt der Tag, an dem man sein mobiles Klo ablegen muss. Ab diesem Zeitpunkt wird der König zum Menschen. Leider. Zum Schluss besuchte ich letztes Mal in Schönbrunn die Totenkopfschabe. Ich bin ein großer Fan von ihr. Weil ob jung oder alt – putzig ist sie immer.