
WERBUNG, WERBUNG, WERBUNG. Naked, I just wanna break it. Muss man sich jetzt ausziehen, um noch anziehend zu sein?
Laut einer aktuellen Umfrage denken Männer alle 20 Minuten an Sex. Warum? Weil wir dank der Werbung ständig daran erinnert werden. Kaum bekleidete Frauen verschwinden in Duschkabinen, liegen auf Motorhauben und beißen in Eisschlecker. Die meisten Produkte werden nicht von mir, sondern von meinem Sexualtrieb gekauft. Beispielsweise das Duschgel, dessen Duft bei potenziellen Partnerinnen sofort den „Ich will mich mit dir auf der Stelle paaren“-Instinkt hervorruft, oder die Mineralwasserflasche, welche mir nach dem Öffnen sogar ein heißes Erlebnis zu dritt verspricht. Nachdem ich nun unzählige Nächte mit Wasserbauch und nach Marine riechend, jedoch allein im Bett verbracht habe, keimen in mir erste Zweifel. Jedoch nicht bei meinem Sexualtrieb. Der ist und bleibt ein primitives Wesen. Trotzdem oder wahrscheinlich genau deshalb wird er von allen Seiten umgarnt. Von verruchten Frauenstimmen, die Werbeslogans aus dem Radio hauchen, „Ruf an und Gewinn“-Moderatorinnen im Fernsehen, deren Rundungen sich an den Bildschirm pressen, und russischen Tennisspielerinnen, bei deren knappen Outfits man sich fragt, wo sie den Ball fürs zweite Service verstecken wollen. Seitdem sich sogar die Frau des französischen Präsidenten im Evakostüm präsentiert, interessiert sich mein Sexualtrieb plötzlich auch für Politik. Ich bin mir sicher, der Jungministerkalender unserer Bundesregierung ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Welt entwickelt sich zu einem einzigen FKK-Bereich. Irgendwann wird wahrscheinlich deshalb mein Sexualtrieb beim Psychotherapeuten auf der Couch liegen und schreien: „Ich kann keine Nackten mehr sehen!“ Und wenn der Therapeut verständnisvoll ist, wird er sich dann etwas anziehen.
Klaus Eckel ist Kabarettist.