
Ich weiß nicht, ob Politiker wirklich häuslich sind, aber zumindest Sommerlöcher können sie stopfen.
"Es reicht, wir lösen uns jetzt offiziell auf!"
Hurra, ich glaube wieder ans Christkind. Ich habe mir nämlich zu Weihnachten eine neue Regierung gewünscht. Während es im ganzen Wohnhaus nach Zimt und Playstationkabelbränden roch, erstellte ich eine vollständige Ministerliste und klebte sie ans Fenster. Innerlich hoffte ich zwar, dass die Bundesregierung bereits am 24. Dezember unter meinem Christbaum steht und feierlich verkündet: „Es reicht, wir lösen uns auf!”, aber wahrscheinlich brauchten sie einfach 7 Monate, um sich auf die Trennungszeremonie zu einigen.
Diesen Sommer ist überhaupt einiges weihnachtliches passiert. Stehen doch tatsächlich am 17. August die Heiligen Drei Könige vor meiner Wohnungstür. Sie meinten, sie wären jetzt eine Aktiengesellschaft und in der Hauptversammlung wurde beschlossen, dass auch der Sommer Umsätze zu bescheren hat. Außerdem ist König Melchior nur Besitzer eines 6-Monats-Visums, und da soll ich das mit dem Datum nicht so eng sehen. Ich versuchte Verständnis zu simulieren.
Danach erzählten sie mir eine Geschichte über einen grell leuchtenden Mercedesstern, der auf einem Hochhaus rotiert und dem sie gefolgt seien. Mir war diese gesponserte Bibelgeschichte irgendwann zu viel. Ich erlaubte ihnen, mit der Kreide „K + M + B” auf meinen Türstock zu schmieren. „Übrigens, nicht vergessen – Jesus würde Willi wählen!”, bemerkten die drei Könige. Erst jetzt wurde mir klar, dass meine Wohnung auf der ÖVP-Wahlkampfroute liegt und die drei Buchstaben über meinem Haupt für „Kdolsky, Molterer und Bartenstein” stehen. Sofort nahm ich mir vor, dieses Jahr den Brief ans Christkind viel konkreter zu formulieren.
Klaus Eckel ist Kabarettist.