
Clemens Haipl über Österreicher die nicht Schi fahren gehen, aber ihn trotzdem als Volkssport bezeichnen.
Ich war heuer schon wieder nicht Schi fahren. Großer Gott, wie konnte das passieren? Nein, nicht einmal Tourenschi fahren oder Snowboarden. Kein Alpinsport. Gar nichts. Bin ich jetzt ein schlechter Österreicher? Bin ich am Ende so schlimm wie ein Schotte, der das ganze Jahr keinen Baumstamm geworfen hat? Wie ein Australier, der kein einziges Rugby-Ei kickte? Ein
Japaner, der die ganze Saison verschämt dem Sumoring fernblieb? Sapperlot – ich fürchte, die Antwort ist: ja.
Und das, obwohl wir doch wissen, wie neidisch die ganze Welt auf unser kleines schnitzelförmiges Land – die Schination schlechthin – blickt: „17 Playmates und erfolgreichster Golfspieler der Geschichte. Na und, die Austrians fahren besser Schi“, gibt sich Tiger Woods mürrisch. „Was nutzen mir sieben Formel-1-Titel – beim Slalom sind die Ösis vorn“, kämpft Michael Schumacher mit den Tränen.
Man darf da der ausländischen Propaganda nicht zu viel Glauben schenken: Nicht Fußball, Football oder Golf sind die Sportarten, die weltweit begeistern. Nein, Schi fahren! Schi fahren in allen Ausformungen. Abfahrt, Slalom, Gästerennen, Zwergenrennen – das sind die Stoffe, aus denen die Träume von Sportfans sind. Und zwar überall. Nicht nur in Österreich und der Schweiz (wie neunmalkluge Nörgler zu behaupten nicht müde werden). Football- und Basketballstars verdienen nur deswegen so viel mehr als die durchschnittlichen österreichischen Schifahrer, weil sie besser verhandeln können. Nicht weil sie auf der ganzen Welt zigtausendfach mehr Fans haben und deswegen andere Werbeverträge haben. Ganz bestimmt! Und Johann Strauß kennt auch jeder auf der Welt. Falco und den Stephansdom auch! Wien hat die allerbeste Lebensqualität von allen Wiens im ganzen Universum! Und überhaupt: Wir sind „the heart of Europe“, die Insel der Seligen, das Zentrum der Welt!
So, jetzt muss ich aufhören. Die Wärter rufen.
Clemens Haipl ist Autor, Kabarettist, Musikproduzent und Zeichner. Infos: www.clemenshaipl.at