
Ich habe gelesen, dass die alten Römer gerne gebadet haben. Mehr noch: Das Bad war eine gesellschaftliche Institution. Man traf einander, plauderte, und ließ sich von Sklaven fachgerecht verwöhnen. Gerne verkünde ich deshalb frei nach Kennedy: „Ich bin ein Römer". Mein Freibad is my castle, wie der Engländer sagt. Mit dem Baden selbst habe ich es nicht so. Genaugenommen reicht mir der Anblick von Wasser. Rein muss ich da nicht. Es ist nämlich sehr nass. Da muss ich dann wieder an der Sonne sitzen, um nachzutrocknen. Da ist es viel vernünftiger erst gar nicht nass zu werden, sondern gleich in der Sonne oder unterm Sonnenschirm sitzen zu bleiben. Dem Buffetbesitzer ist das auch viel lieber, weil er dann weiß, wo Schnitzel mit Pommes und Sommerspritzer hinmüssen. Ich plaudere auch sehr fleißig, hänge faul in der Gegend rum, lege die Toga ab und präsentiere der staunenden Öffentlichkeit meinen Sonnenöl bedeckten Körper (die katholischen Bademeister nennen mich deshalb ehrfurchtsvoll „der Gesalbte"). Das mit den Sklaven haut noch nicht so richtig hin. Auf mein höflich formuliertes „Wachel er mir Luft zu" an den Meister des Bades, erntete ich unlängst erst ein nicht sehr devotes „Hau di iwa die Heisa, Voikoffa, Bock aufblosna etc." Ich bin ein Humanist und habe ihn nicht auspeitschen lassen, ich hege aber den Verdacht, dass das Personal nicht mit dem gleichen Eifer am Werk ist, wie weiland im alten Rom, da muss nachgebessert werden. Auch wachsen mir die Trauben nicht als solche in den Mund sondern in vergorener und aufgespritzter Form. Dafür brauche ich mir den Gaumen nicht mit einer Feder zu kitzeln, das Nichtstun ist kräftezehrend und sorgt für einen gesegneten Appetit. Oft sinniere ich dann über so essenzielle Fragen wie „Durften die Römer auch nicht vom Beckenrand springen?" Und was geschah, wenn doch? Ab in den Circus
Maximus? Es herrschten ja doch herbere Sitten. So ein Sommer im Bad ist anstrengend, aber irgendwer muss es ja tun.
Clemens Haipl ist Autor, Kabarettist, Musikproduzent und Zeichner. Sein Buch „Ich scheiß mich an“ ist in dritter Auflage in der VORmagazin-Edition erschienen.
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Clemens Haipl ist Autor, Kabarettist, Musikproduzent und Zeichner. Infos: www.clemenshaipl.at