Vormagazin

Ausgabe Mai 2012

Loslaufen - Trainings-Tipps für Einsteiger

Gewinn Vor allen anderen...

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Haipl

Ehrlich gesagt

Clemens Haipl ganz direkt.

Ich habe soeben auf Facebook folgenden Satz abgelaicht: „Ich brauche auf der stelle ein Thema für eine Kolumne im VORmagazin“ (inklusive falscher Groß und Klein-Schreibung, im Internet darf man das). Innerhalb weniger Minuten kamen da eine Menge Vorschläge, von vermeintlich überheizten U-Bahn-Stationen (verstehe ich nicht, ist doch schön, wenn’s warm ist) über Nachtfahrten in der U-Bahn („Es ist dunkel im Tunnel. Ich bin müde.“) bis hin zu Fußball bedingter Staatstrauer in Brasilien (kommt ein ander mal). Lulu, Hundepenis und andere Unflätigkeiten waren auch dabei – anonymes Netzwerken verroht anscheinend. Erstaunlich, was die Menschen so beschäftigt.

Was mich wiederum beschäftigt: Ich habe meinen zweijährigen Sohn unlängst gefragt, wie man denn sagt, wenn man etwas haben will (selbstverständlich in Erwartung eines astreinen „Bitte“), bekam aber zur Antwort „jetzt!“. Da hat er auch irgendwie recht. Er will ja seinen Saft, seine Schokolade,oder was auch immer, nicht beantragen und in vierzehn Tagen bekommen, sondern jetzt. Insofern kein Akt der Unhöflichkeit, sondern der Ehrlichkeit.

Stets um Ehrlichkeit bemüht und am Lernen interessiert, habe ich mir daran ein Beispiel genommen. Als ich im Zuge zäher Gagenverhandlungen gefragt wurde, was ich mir denn so vorstellen könne, was das kosten könne, habe ich „3, 4 Millionen“ geantwortet. Stimmt ja, vorstellen kann ich mir das. „Was darf’s sein?“ habe ich im Café mit einem klaren „Alles“ gekontert. Nichts als die Wahrheit. Ich bin volljährig und darf  schon länger alles essen und trinken was ich will. Und als mein (gutaussehender, weiser, aber doch viel zu bescheidener wer weiß, vielleicht fährt er U-Bahn) Chef gefragt hat „Clemens, kannst du das machen?“, habe ich „ja“ zur Replik gegeben und bin weggegangen. Weil: Ich kann. Er hat nicht gesagt, dass ich gefälligst soll.

Was lernen wir daraus? Zunächst einmal nichts. In weiterer Folge aber: Ehrlichkeit und Höflichkeit gehen nicht immer einher. Meine Eltern haben aber zumindest versucht, mich zu einem höflichen Menschen zu machen. Dafür herzlichen Dank, und schade, dass meine Eltern nicht mehr Kinder haben.

von Clemens Haipl

Clemens Haipl ist Autor, Kabarettist, Musikproduzent und Zeichner. Infos: www.clemenshaipl.at