
Hitzerekorde im Oktober - der Sommer wollte nicht enden. Innerhalb weniger Tage der Wechsel zum Herbst und Stunden später der Winter auf der Überholspur - mit Schneerekorden im Oktober. Unser Körper musste innerhalb von einer Woche einen Temperatursturz um nahezu 25 Grad mitmachen.
Stellt sich nun die Frage - machen sich die Jahreszeiten auch in unserem Körper bemerkbar? Herbstmelancholie, Winterblues, Frühlingsgefühle und Sommerlaune - gibt es sie tatsächlich? Der Winterblues, oft als lächerliche Entschuldigung für schlecht gelaunte Zeitgenossen herunterqualifiziert, ebenso die so oft belächelte Herbstmelancholie. Schon lange vermuteten Forscher einen Zusammenhang zwischen dem Licht der Sonne und den Schatten in unserem Gehirn.
Jetzt haben sie ihn erstmals im Labor nachgewiesen - und können das Phänomen sogar erklären. Um den Wechsel der Jahreszeiten im menschlichen Gehirn zu beobachten, untersuchte ein kanadisches Forscherteam etwa 100 Testpersonen über einen Zeitraum von vier Jahren. Den Wissenschaftlern fiel ein Protein auf, das schon länger als Serotonin-Transporter bekannt war. Das Eiweiß wird durch Sonnenlicht gesteuert, es entfernt Serotonin aus den Zwischenräumen der Hirnzellen.
Die Forscher fanden den kleinen Eiweißtransporter vor allem in den dunklen Jahreszeiten extrem aktiv und rege. Einfach gesagt: In der dunklen Jahreszeit eliminiert dieses Protein das Glückshormon Serotonin aus den Zwischenräumen der Hirnzellen. Somit kann die Wissenschaft endlich das Verhältnis von Licht und Stimmungen erklären: Der Übeltäter ist also ein Protein, das in der dunklen Jahreszeit mit nichts anderem beschäftigt ist, als unser Glückshormon aus dem Hirn zu entfernen! Trotzdem schöne Novembertage!
Mag. Dr. Christa Kummer ist Wetterexpertin beim ORF. Infos unter: www.christakummer.at