
Heute, sehr unternehmungslustige Leser, schippern wir die Donau entlang, ab Nussdorf bis ins Delta. Und ich verspreche Ihnen: Von diesem Erlebnis werden wir noch lange zehren.
Gleich hinter der Reichsbrücke erwartet uns ein prima Mehlspeisbuffet. Ich wähle Topfenstrudel, Himbeerbombe und eine Malakofftorte mit Schlag. Die Kardinalschnitte muss leider stehenbleiben, weil mich meine Göttergattin sanft mit Blicken tötet. Außerdem wird schon in zwei Stunden das Abendessen serviert.
An den Restaurantfenstern zieht Bratislava vorüber, das Abendessen besteht aus vier Gängen. Ich wähle Geflügelsuppe, Steinpilzragout und Heilbuttfilet an Sauce Maitre d’Hotel. Heilbutt AN Sauce schmeckt viel besser als Heilbutt MIT Sauce. Zur Nachspeise gibt’s Quittengelee auf Brombeerspiegel, es könnte aber auch Brombeergelee auf Quittenspiegel gewesen sein. So genau kann ich mich nicht mehr erinnern, man wird ja von den vielen Reiseeindrücken geradezu überrollt.
Die Donau ist lang, der Verdauungsweg kurz. Für alle, die um 23 Uhr Hunger verspüren, steht eine kleine Vormitternachtsjause bereit – lauter leichte Sachen, z.B. Chili con carne. Anderntags passieren wir Budapest. Die Fahrt geht flüssig voran, Bier und Sekt fließen in Strömen. Zwischendurch spitzt sich die Lage dramatisch zu, weil sämtliche Gangtoiletten blockiert sind. Die Wortschöpfung ‚all pinclusive’ liegt auf der Hand. Knapp vor Belgrad pflückt ein Seeadler einen Fisch aus den Wellen, ich verspeise gerade einen Zander. Mein Fisch hat eine Kräuterkruste, der vom Adler nicht.
Am nächsten Morgen gelangen wir zum „Eisernen Tor“, der berühmten Engstelle zwischen Balkan und Karpaten. Von ferne grüßen die Türme der Festung Golubac, gleich in der Nähe türmen sich die Grüße der Frühstücksküche. Über den Bordlautsprecher erfahren wir, dass die Besatzung im Anschluss einen kleinen Zwischendurchschoppen vorbereitet hat. Es gibt Schweinsstelze, Leberkäs und Fassbier. Ein Herr aus Leoben, der soeben drei Portionen Speck & Eier verdrückt hat, ist völlig verzweifelt, weil er nur eine halbe Stelze runterkriegt. Der Mann tut mir echt leid, denn bereits eine Stunde später steht das Mittagessen auf dem Programm: Tomatensuppe mit Gin, Auhirsch und Marillenknödel. Eine Dame aus Floridsdorf will gehört haben, dass fürs nächtliche Betthupferl Cevapcici vorgesehen sind. Das Gerücht spricht sich blitzartig herum.
Wir gondeln an der Walachei vorbei, vom Ufer her winken uns ein paar erschreckend schlanke Menschen zu - wahrscheinlich haben die armen Teufel nichts zum Beißen. Die Donau wird jetzt immer breiter, die Reiseteilnehmer auch. Unbeweglich wie ein Maroniofen ruhe ich auf dem Oberdeck, die Liegestuhlnachbarin liest ‚Nur der Pudding hört mein Seufzen’. Der Herr aus Leoben beschwert sich, dass seine Duschkabine von Tag zu Tag enger wird, meine lebhafte Frau Matscho lechzt nach Bewegung. Tatsächlich bietet sich als einziger Sport eine Wanderung in den Speisesaal an. Dort erwartet uns der Höhepunkt der Reise: das Captain’s Dinner. Statt der üblichen vier Gänge werden sechs Einheiten geboten. Einer dunklen Ohnmacht nahe bezwinge ich die Cocktailkirsche auf dem abschließenden Maronipüree.
Endlich erreichen wir das Delta, am Horizont die weite See. Die Vogelwelt präsentiert sich in üppiger Pracht: Silberreiher, Seidenreiher, Kormorane, Pelikane und ein gespicktes Perlhuhn auf meinem Mittagsteller... Fazit der Reise: Die Donau rinnt tatsächlich ins Schwarze Meer. Und die Verpflegung an Bord war ausreichend.