
Seit Bestehen der Matscho-Kolumne hat noch keine Erzählung so viel Staub aufgewirbelt wie jene, die im Juni heurigen Jahres erschienen ist. Da muss sogar eine Fortsetzung her.
Zur Erinnerung: Es ging darum, dass mein Sohn Matscho junior und ich meine Göttergattin – seine Mutter – dafür bestrafen, dass sie heimlich durch den Türspalt unsere Männergespräche belauscht. Und zwar bestrafen wir sie mit Sinnlosgesprächen. Also wir erörtern z. B., welche Unsummen ein Sportartikelhändler verdienen hätte können, wenn es zur Zeit der Völkerwanderung bereits Nordic Walking-Stecken gegeben hätte. Oder so.
Nonsens dieser Art kann ein durch und durch auf Vernunft eingestellter Mensch wie meine Herzallerliebste noch weniger ertragen als fünf Minuten Musikantenstadl. Kürzlich haben wir uns ausgemalt, wie viele Stresshormone ein Faserschmeichler ausschüttet, wenn der Schleudergang einsetzt. Außerdem haben wir die Frage zu klären versucht, ob es sich bei Klaustrophobie um eine Angst vor Menschen handelt, welche Klaus heißen. Da ist SIE sogar laut weinend aus dem Haus gelaufen, so toll haben wir es getrieben.
Nun ist die Sache die, dass ich mit den Sinnlosgesprächen offenbar in ein Wespennest gestochen habe. Denn seither werde ich von meinen Geschlechtsgenossen tagtäglich und auf Knien um weitere Anregungen angebettelt. Weil sich die armen Teufel halt auch – irgendwie verständlich - gegen weibliche Lauschangriffe wehren möchten. Da hat Ihr sehr ergebener Matscho klarerweise ein Einsehen und gibt gern ein bisserl Nachhilfe.
Zunächst einmal benötigt man fürs Sinnlosgespräch einen würdigen Partner, wie mein Matscho junior einer ist. Damit steht dem Nonsens die Tür sperrangelweit offen.
Ein zwangloser Einstieg in die vertrottelte Debatte ist z. B., ob man für das geräuschlose Aufmachen einer Soletti-Packung besser einen Schlagbohrer oder eine Kettensäge verwendet. Oder inwieweit man Boxern, die zurückhauen, die Rote Karte zeigen sollte. Oder wie weh ein Bauchstich in den Popo tut. Oder warum die Plastische Chirurgie nicht schon längst Operationen zur Verschönerung des Blinddarms anbietet. Stundenlang diskutieren könnte man natürlich auch darüber, ob es ehrenrührig ist, wenn man die momentane Zwischendurchehefrau von Herrn Boris Becker fragt, ob sie einen Becker hat.
Nicht selten führen derartige Überlegungen, die die Welt nicht braucht, auch bei uns selber zu gewaltigem Leidensdruck. Da zermartern wir uns richtiggehend das Gehirn, hauptsächlich über Sex und Vornamen. Ein kürzlich abgehaltenes Brainstorming führte zum Ergebnis, dass man die Missionarsstellung auch als ‚Banalverkehr’ bezeichnen könnte und dass die weibliche Form von Kurt wahrscheinlich „Kurtisane“ heißt.
Gestern hat meine herzallerliebste Ehefrau wieder einmal besonders hart fürs Lauschen gebüßt. Da haben Matscho junior und ich sie mit der Überlegung gequält, wie es wäre, wenn wir heuer unterm Weihnachtsbaum statt „Stille Nacht“ die Bundeshymne singen würden. Danach texteten wir einen alten Nena-Hit auf „99 Lustballons“ um und machten damit Kondomwerbung. Beinahe zerstritten hätten wir uns über der Frage, ob die martialische Schlagzeile „Eifersuchtsdrama in Ottakringer Schrebergarten: Gartenschlauch erwürgt Gießkanne“ besser zur „Krone“ oder zu „Österreich“ passt.
Schließlich schauten wir im Lugner-TV dem Herrn Baumeister zu, wie er vor laufender Kamera in die afrikanische Savanne pinkelt, was die überraschende Erkenntnis zuließ, dass ein Mensch am peinlichsten ist, wenn ihm NICHTS peinlich ist. Danach erschraken wir und brachen das Sinnlosgespräch ab. Es drohte, Sinn zu kriegen.
Um diese Funktion nutzen zu können, müssen Sie auf vormagazin.at angemeldet sein.
zur Anmeldung/Registrierung
sensationelle09 meint am 2009-10-14 23:43:04
Einfach Genial
Mit diesen Kolumnen wird die Ubahn-Fahrt zu einem echten Highlight,,, danke Hr Matscho