Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

Gewinn Vor allen anderen...

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Matscho

Come on, Mammon!

Im Hause Matscho herrscht die so genannte Zwei-Kassen-Gesellschaft. Die Eltern verdienen das Geld – und die Kinder geben es mit vollen Händen wieder aus.

 

Matscho1109 ©Schwupp

Inzwischen ist es so weit gekommen, dass ich mich bei den Leuten gar nicht mehr als Vater meiner Sprösslinge vorstelle, sondern als deren Sponsor. Um nämlich an immer mehr Taschengeld zu kommen, lassen sich die beiden einiges einfallen – alle Achtung!
„Ich habe meinem Bruder 5 Euro geliehen“, erklärte Matscholinchen kürzlich mit betrübter Miene, „jetzt würde ich sie selber brauchen, aber die Mama gibt mir nichts.“ – „Mein Kind“, erwiderte ich gütig, „du bist ja, wie du weißt, mein großes Herzibinki. Andererseits wird es dir nicht verborgen geblieben sein, dass dein Vater an der Armutsgrenze dahinvegetiert, nur damit du ein ausschweifendes Leben führen kannst. Nimm also zur Kenntnis, dass ich keine Bank bin, von der man unbegrenzt Kredit kriegt.“ – „Wer redet von Kredit“, erwiderte nunmehr meine Tochter und ließ in ihren vergissmeinnichtblauen Äuglein so etwas Ähnliches wie Tränen schimmern, „du kannst mir das Geld ja einfach schenken. Ich muss jedenfalls meiner Schulnachbarin 5 Euro zahlen, sonst lässt sie mich in Latein nicht mehr abschreiben. Also sei ein Mensch, Papa – wer rasch hilft, hilft doppelt!“

Wenn meine Tochter in der Schule Fortschritte machen kann und nebstbei auch noch Tränen schimmern lässt, bezahle ich sogar Wucherpreise. „Zu unserer Zeit hätte deine liebe Schulnachbarin nicht 5 Euro gekriegt, sondern ein paar Gnackwatschen“, motzte ich kurz auf, überreichte den gewünschten Betrag und schnitt mir ein trockenes Stück Brot ab. Wenig später erlitt ich die nächste Niederlage, denn da erschien mein Sohn Matscho junior auf der Bildfläche, um mich anzuschnorren. „Die Mama hat schon wieder einen Igel in der Geldbörse“, beklagte er sich heftig, „und meine Schwester, der Trampel, will mir nicht die 5 Euro zurückgeben, die sie sich von mir ausgeborgt hat.“

Nach diesen Worten schaute ich möglicherweise etwas verdutzt drein, denn die gleiche Geschichte hatte ich kurz zuvor genau umgekehrt gehört. „Wofür brauchst du das Geld?“, erkundigte ich mich, auf alles gefasst, vor allem auf das Schlimmste. „Pech gehabt“, klärte mich mein Sohn cool auf, „ich habe gewettet, dass unsere neue Französischlehrerin schwarze Unterwäsche trägt, sie trägt aber rosa.“

Nunmehr war zweifellos der Zeitpunkt gekommen, pädagogisch zu werden, und in diesem Sinne ergriff ich wie folgt das Wort: „Mein lieber Matscho junior“, ergriff ich das Wort, „dein Interesse für Damendessous ehrt dich, nicht jedoch, dass du Wettschulden anhäufst wie ein Stabsoffizier. Im übrigen schwimmst du ohnehin im Geld, wodurch ich es als dreiste Zumutung betrachte, dass du deinen am Hungertuch nagenden Vater ungeniert ausrauben willst. Hast du eigentlich kein schlechtes Gewissen, wenn du mich jeden Tag siehst und dir denken musst: Von dem Typ habe ich das ganze Geld in meiner Tasche!“ – „Come on, Mammon“, ließ sich mein Sohn burschikos vernehmen, „mach die Flocken locker, sonst muss ich der Mama leider tratschen, dass du jeden Sonntag statt in die Abendandacht zum Heurigen gehst.“

Nach einer kurzen Pause der Besinnung, in der ich über die Prügelstrafe und andere schöne Dinge nachdachte, rückte ich 5 Euro raus, und dann betrat auch schon meine Göttergattin den Raum. „Die Kinder beschweren sich“, klagte sie aufgebracht, „dass du ihnen seit Wochen das Taschengeld verweigerst – jetzt habe ich mit zweimal 5 Euro aushelfen müssen!“ – „Hähä“, freute ich mich, „von den beiden kann man was lernen. Mir sagen sie, du gibst ihnen nichts, dir sagen sie, von mir kriegen sie nichts – und in Wirklichkeit kassieren sie doppelt. Ich gratuliere dir zu diesen Früchtchen deiner Erziehung!“ Sprach’s - und ging in die Abendandacht.

Wolfgang Kubasta ist Matscho

von Matscho

Wolfgang Kubasta ist Matscho.