Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

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Matscho

Stolze Bilanz

Des Matschos letzte Kolumne: Das Leben ist ein Kapitelroman. Ein Kapitel geht zu Ende - und ein anderes tut sich auf.

 

Matscho Dezember 09 ©Schwupp

Seit 22 Jahren schreiben der Matscho und sein Chronist – also sozusagen ich – hierorts die alltäglichen Erlebnisse eines gleichberechtigten Mannes nieder. Aber weil irgendwann einmal Schluss sein muss, ist jetzt Schluss. Denn der Chronist und sein Matscho – also genau genommen schon wieder ich – ziehen sich als Personalunion in den wohlverdienten Ruhestand zurück. Still und leise, wie der Matscho aufgetaucht ist, verabschiedet er sich nunmehr in die mystischen Heurigenkatakomben der Hauptstadt Wiens, welche bekanntlich Alt-Ottakring heißt.

Schauen Sie, werter Leser, Ihr sehr ergebener Autor ist zwar zeit seines Lebens einer Arbeit nachgegangen, aber nachgelaufen ist er ihr nie, frei nach dem schönen Motto: Wenn Arbeit adelt, bleibe ich lieber bürgerlich. Außerdem ist der Zeitpunkt, das literarische Schaffen zu beenden, intelligent gewählt. Denn erstens bleibt mir jetzt noch mehr Muße, die wirklich wichtigen Erkenntnisse des Lebens zu gewinnen, so z. B., dass man eine Schnecke nicht anspucken muss, weil sie ohnehin glitschig ist. Und zweitens habe ich meine Mission als Matscho pflichtgemäß erfüllt. Obgleich es mir nicht geglückt ist, Frauenfußball und mobile Damenpissoirs zu verhindern, darf ich doch einige schöne Erfolge an meine Fahnen heften. So ist beispielsweise der Begriff „Männerinnen“ immer noch nicht im deutschen Sprachgebrauch salonfähig geworden. Na bitte.

Gemeinsam mit dem Matscho tritt auch seine liebe Familie von der medialen Bühne ab. Diesbezüglich kann ich die Stammleser der vorliegenden Kolumne komplett beruhigen: Nach jahrelangen Grabenkämpfen ist der heilige Frieden im Hause Matscho eingekehrt. Meine Göttergattin hat mir längst verziehen, dass sie mich geheiratet hat. Matscholinchen, dieses brave Mädel, hilft mir neuerdings sogar beim Ausräumen des Geschirrspülers, indem sie sich nicht mehr in der Küche schminkt. Und auch der mir von Gott zur Seite gestellte Folterknecht, also mein Sohn Matscho junior, wird immer anschmiegsamer. Kürzlich verloren wir ein Tennisdoppel, dennoch war er voll des Lobes: „Wir sind ein super Team, Papa“, stellte er fest, „ICH renn’ und DU schwitzt!“

Irgendwann nach einiger Zeit sprach sich herum, dass der Matscho nicht nur schreiben, sondern auch lesen kann.*) An zahlreichen dieser Leseabende begegnete mir eine Dame, welche an ihrem auffälligen roten Haar und einer auffälligen Sammelbüchse leicht wiederzuerkennen war. Und zwar klapperte die Dame in ihrer Freizeit die Wiener Kleinbühnen ab, um für eine wohltätige Organisation ein bisserl Geld aufzustellen. Einmal – es war nach einer Vorstellung im Kabarett ‚Spektakel’ -  übermannte mich die Neugier: „Gnädige Frau“, sagte ich, „im ‚Simpl’ spielt heute der Niavarani, im ‚Orpheum’ der Resetarits und in der ‚Kulisse’ der Vitasek. Wieso kommen Sie ausgerechnet zu mir?“ Da zwinkerte mir die auffällige Dame verschmitzt zu und erwiderte: „Weil das Matscho-Publikum am meisten spendet …“

Sehen Sie, werte Lesergemeinde, 22 Jahre lang für so viele nette Menschen geschrieben zu haben, ist mir eine große Ehre. In diesem Sinne: Schlusspfiff, Vorhang, Sperrstund’, und bitte net weinen:
Der Matscho hört auf – die U-Bahn fährt weiter.

*) Das Abschiedsprogramm:

„Matscho – stolze Bilanz!“
Am: 19., 20. und 21. 1. 2010, jeweils 19.30 Uhr. Im: Kultur-Point (Theater der Fernwärme Wien), 9., Spittelauer Lände 45. Karten unter 0810 900 400 oder www.fernwaermewien.at

von Matscho

Wolfgang Kubasta ist Matscho.