
Wolfgang Kubusta über das Eheleben und die Chance zu erfahren was SIE wirklich denkt.
Gestern klingelte ich meine Göttergattin an, von unterwegs. „Was machst du gerade, meine Gute?“, flötete ich in die Leitung. „Ich sitze zu Hause“, antwortete sie, „habe eine Zeitschrift vor mir liegen und fülle einen Partnertest aus …“
Aha! Sie füllte einen Partnertest aus! Da war die Aufregung natürlich groß. Sie müssen nämlich wissen, oh Leser: Seit ich meine Frau Matscho kenne, plagt mich der Gedanke, was sie eigentlich so hält von mir – als Mensch und überhaupt. Und jetzt diese Chance!
Ich meine, machen wir uns doch nichts vor in puncto Eheleben: Man liebt sich und man neckt sich, man zankt und man verträgt sich. Man teilt Tisch und Bett – und Toilette. Aber: Was der andere WIRKLICH über einen denkt, erfährt man nie. Das beste Beispiel: Bevor meine Herzallerliebste mir gegenüber zugibt, dass sie mit einem Traummann verheiratet ist, beißt sie sich lieber die Zunge ab!
Jetzt aber bot ein ausgefüllter Partnertest die einmalige Gelegenheit, Klarheit zu schaffen. Am Nachmittag pilgerte meine Frau ins Fitnesscenter, und – huiii! – war ich auch schon daheim. Sicher hatte sie die Zeitschrift gut versteckt, weil ich ja nicht erfahren sollte, was sie WIRKLICH von mir hält. Ich suchte daher zunächst dort, wo es mir am gefinkeltsten schien, nämlich in der Gefriertruhe. Dort war aber nix. Ich nahm den Dachboden unter die Lupe. Auch nix. Ich stürzte mich kopfüber in den Abfallcontainer, frei nach dem Motto: Wer suchet, verschwindet. Noch einmal nix. Wo, bitte, war der Partnertest?!
Als Nächstes durchkämmte ich den Kleiderschrank meiner Frau Gemahlin – normalerweise eine Lebensaufgabe! Ich wühlte mich durch ein Dutzend Haute-Couture-Modelle und förderte aus der hintersten Ecke einen alten, ausgefüllten Totozettel ans Tageslicht. Das war natürlich eine Bombenüberraschung! Hätte ich den Zettel vor fünf Jahren gefunden, wäre ich mehrfacher Millionär gewesen ... oh, wie sehr habe ich doch damals gesucht! Leise aufschluchzend lief ich in den Garten. Dort verspeiste ich zwecks Selbstbestrafung und vor den Augen meines verdutzten Nachbarn eine Handvoll Brennnesseln – aber aufgeben tat ich nicht.
Die so genannte Chaos-Lade, welche alles Kramuri dieser Welt beherbergt, bescherte mir endlich ein erstes Erfolgserlebnis. Zwar erbeutete ich auch dort nicht das Gesuchte, doch stieß ich auf ein Deutschheft aus seligen Schultagen. Mit Tränen der Rührung in den Augen las ich die legendäre Anmerkung meines Deutschlehrers: „Katastrophaler Stil, Matscho – du kannst nicht dich ausdrücken!“
Im Schuhputzkastl endlich entdeckte ich ein paar feurige Liebesbriefe. Ich hatte sie meiner Göttergattin im Lenz unserer Beziehung geschrieben, und mein Sohn Matscho junior hatte als kleiner Bub Schlachtschiffe daraus gefaltet – da sieht man wieder, wie aus Liebe praktisch im Handumdrehen Krieg werden kann! Noch ganz im Banne dieser überwältigenden Symbolik beschloss ich, unser Meerschweinchen in seinem heiligen Nachmittagsschlaf zu stören – Sie müssen zugeben, werter Leser, dass der Käfig ein besonders cleveres Versteck gewesen wäre! Aber leider – wieder nix …
Selbstverständlich habe ich die Zeitschrift dann doch noch gefunden, und zwar mitten auf dem Wohnzimmertisch – dort hatte ich sie am allerwenigsten vermutet. Aufgeschlagen lag der Partnertest vor mir, und ergriffen las ich die Überschrift, welche da lautete: IST IHR
EHEMANN NEUGIERIG?
Wolfgang Kubusta ist Macho