Vormagazin

Ausgabe Juli 2010

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Matscho

Der Sissiphos

Der Matscho ist zwar in Pension gegangen, aber das VORmagazin präsentiert Ihnen an gewohnter Stelle in den nächsten Monaten ein Best of der Kubasta-Kolumnen.

Unbeirrt, in unverbrüchlicher Treue und verklärtem Gedenken, halten sie Habsburgs Krone hoch. Ich muss das wissen, denn schließlich bin ich ausgerechnet mit so einem Exemplar verheiratet: mit Ihrer Kaiserlichen Hoheit, der Frau Matscho!
Jetzt kann ich nur hoffen, dass niemand von der Staatspolizei das VORmagazin liest, denn: Wenn meine
Göttergattin beim Pokern vier Könige in der Hand hält, ist das kein harmloser Glücksfall, sondern ein gezielter Akt monarchistischer Wiederbetätigung! Die berühmten
Imperien und Dynastien sind halt ihr Faible – und
groß ist ihr Wissen um die Mächtigen der Geschichte.
Sie kennt die Stammbäume sämtlicher europäischer Herrscherhäuser mit all ihren Verästelungen, und bei „Wetten, dass …“ würde sie mit verbundenen
Augen jeden Aristo dieser Welt an seinem Mundgeruch
erkennen.
Weil ich ein bekannt prima Ehemann bin, nehme ich Anteil am Hobby meiner Frau Gemahlin und mache den ganzen Wahnsinn mit. Zum Geburtstag habe ich ihr eine Stammkundenkarte für die Kapuzinergruft geschenkt, und die alten „Sissi“-Filme kenne ich überhaupt auswendig. Aber das ist keine Kunst, denn die werden ja im Fernsehen oft genug wiederholt. Meine Freunde nennen mich deswegen „Sissiphos“: Kaum habe ich einen Film überstanden, sendet der ORF schon den nächsten.

Einmal im Jahr treten wir eine Art Wallfahrt an, und zwar nach Reichenau an der Rax. Wir pilgern dorthin wie die Hadschis nach Mekka, die Blumenkinder nach Woodstock oder die Biertrinker ins Schweizerhaus. Denn rund um die Rax hatte ER sein Jagdrevier: Franz Joseph!
„Das Regier’n tat ihn verdrießen – lieber mocht’ er Böcke schießen“, zweizeilert meine Frau dann immer quietschvergnügt, und ich kontere vierzeilig mit sanftem Spott: „Leider schoss der Kaiser schwoch – Böcke gibt’s hier immer noch – doch schon lange sind nicht mehr – in unserm Land die Habsburger …“
In Reichenau angelangt, steigen Matschos in einem Hotel ab, das wir für die vorliegende Geschichte „Magdalenenhof“ nennen wollen, denn Schleichwerbung ist in dieser Kolumne bekanntlich verboten. Bitte, billig
ist’s da nicht gerade! Ich persönlich vermute ja, dass
der legendäre kaiserliche Seufzer „Mir bleibt nix erspart“ angesichts der Übernachtungstarife des Magdalenenhofs gefallen ist. Dafür wird jede Menge Monarchie geboten. Überall ist ER präsent: im Foyer als Gemälde, auf der
Feststiege als Büste und in der Luft als Aura. Und mittendrin steht meine Frau Matscho mit feuchten Augen und kennt sich vor lauter Glück nicht aus!

Überaus liebevoll sind die Namensgebungen. Die Mahlzeiten nimmt man, umrankt von diversem Hirsch­geweih, im „Erzherzog-Johann-Stüberl“ ein, und den abendlichen Cocktail genießt man an der „Metternich-Bar“. Gern spinne ich den Faden weiter und erfinde
gemeinsam mit dem lustigen Barmixer passende Namen für die Getränke. Nach einem „Heidelbeersekt Blaues Blut“, einem „Kronprinz on the Rocks“ und einer
„Bloody Mary Vetsera“ liegen wir beide unterm Tisch:
er vor Lachen und ich, weil das Zeug schließlich auch getrunken werden muss.
Das entspannte Leserpublikum erkennt somit: Gar so schlimm sind die Nostalgie-Trips meiner Herzallerliebsten auch wieder nicht. Immer noch besser als eine Gedenkreise nach Braunau, zum Beispiel. Aber da sei der Kaiser vor.

Wolfgang Kubusta ist Matscho.

von Matscho

Wolfgang Kubasta ist Matscho.