
Es ist nämlich so: Meine Frau Matscho schläft rechts, und ich schlafe links. Also sie in der rechten Hälfte des Ehebettes und ich in der linken. Wer aber in der linken Betthälfte liegt, muss automatisch mit dem linken Fuß raus aus dem Körbchen - sofern er nicht bereits in aller Herrgottsfrüh akrobatische Turnübungen vollführen möchte. Und wer mit links aufsteht, hat, wie man weiß, den ganzen Tag über nichts als Ärger.
Das mit dem Ärger beginnt gleich bei der ersten Aktion, wenn ich - von Natur aus eigentlich ein Frohsinn - das Fenster öffne und die Hand hinausstrecke, um die Windrichtung zu checken. Woraufhin mir unsere Dachamsel exakt in diesem Moment einen klebrigen Gutenmorgengruß auf die Fingerspitze schickt - so ein Pech muss man einmal haben! Damit nicht genug, begegne ich wenige Minuten später im Badezimmerspiegel einem mäßig
attraktiven Herrn, den ich nicht kenne. Er hat tiefe Schlaffalten im Gesicht und glurt mich aus rotgeränderten Augen gespenstisch an, wodurch der Begriff
„Morgengrauen" eine völlig neue Bedeutung gewinnt.
Nach diesem nicht geringen Schreck eile ich an den Frühstückstisch, wo sich bereits die komplette Familie versammelt hat, um mir interessiert dabei zuzuschauen, wie ich wohl die nun zwangsläufig folgende Niederlage verkraften werde. Tatsächlich entpuppt sich der verführerisch glänzende Emmentaler auf meinem Teller als Gummiattrappe, was wiederum ein seliges Leuchten in den Augen meiner Kinder hervorruft.
Auch beim Verlassen des Hauses klebt mir das Unheil buchstäblich an den Fersen, weil ich nämlich auf einen Kaugummi trete. Danach fährt mir klarerweise die
Straßenbahn vor der Nase davon - und so trage ich
geduldig mein Kreuz, Tag für Tag. Zu welcher Ampel
ich auch komme: Sie steht auf Rot! In welche Richtung ich auch gehe: Ich habe Gegenwind! Und ist mir endlich
einmal das Glück hold, ist es erst recht kein Glück. Gestern z. B. habe ich beim Schnapsen gegen meinen Freund, den Primar, eine Blinddarmoperation gewonnen - heute, bei näherer Betrachtung, fällt mir ein, dass ich gar keinen Blinddarm mehr besitze!
Alle Unannehmlichkeiten dieser Welt wären mir aber egal, gäbe es da nicht auch noch das Wäre-ich-doch-der-Erste-hinter-mir-Phänomen. Dieses zeigt sich mit Vorliebe an Bank- und Sparkassenschaltern, wo ich selbstverständlich am Ende einer langen, langen Warteschlange stehe - wenn Zeit nämlich Geld ist, kann man überall sparen, nur nicht in einem Geldinstitut. Die unzähligen Menschen vor mir haben es nicht eilig und brodeln herum, die Kassierin hat es auch nicht eilig und brodelt herum, und ich stehe als Neunundvierzigster in der Reihe und brodle ebenfalls - aber nicht herum, sondern vor Zorn. Und dann plötzlich, man glaubt es kaum, bin ich dran! Schadenfroh werfe ich einen Blick zurück, um der langen, langen Warteschlange in meinem Rücken die Zunge zu zeigen - und siehe da: Mag soeben noch halb Wien vor mir angestellt gewesen sein, so steht jetzt hinter mir: NIEMAND. Ich schwöre: NIEMAND! Da stelle ich mir dann immer vor, wie schön es wäre, wenn just in diesem Moment die Tür aufginge - und ich käme herein und wäre gleich hinter mir dran ...
Das also, meine Damen und Herren, nennen wir professionellen Unglücksraben das Wäre-ich-doch-der-Erste-hinter-mir-Phänomen.
Und jetzt noch ein kleiner Trost für alle Linksaufsteher: Gestern bin ich ausnahmsweise mit dem rechten Fuß aufgestanden - und habe mir bei dieser Aktion sofort das Hüftgelenk verrenkt! Ist aber nicht so schlimm: Es geht mir verhängnismäßig gut.
Um diese Funktion nutzen zu können, müssen Sie auf vormagazin.at angemeldet sein.
zur Anmeldung/Registrierung