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Ausgabe Jänner 2012

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Matscho

Von Isen und Isinnen

REISEN. In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht Ihr sehr ergebener Matscho seine beliebten Reiseberichte. Und heute ist das schöne, herbe Island an der Reihe.

Island ist ein seltsames Land, aber das Seltsamste an ihm sind seine Bewohner: die Isen. Isen nenne ich die Isländer der Einfachheit halber, weil es ja auch nicht Irländer heißt, sondern Iren. Nicht Lappländer, sondern Lappen. Und nicht Russländer, sondern Russen. Da passen die Isen hervorragend ins System – mit den Engen, Hollen und Grönen wird man noch reden müssen.

Die Isen sind in vielerlei Hinsicht Rekordhalter. Sie haben die geringste Kriminalität, dafür aber die höchste Selbstmordrate Europas. Bevor ein Ise seinem Mitbürger das Geldbörsel grapscht, bringt er sich lieber um. Auch gibt es keine Gewaltdelikte durch Feuerwaffen: In Island ist man weit vom Schuss.

Sie sind also ein liebenswertes Völkchen, die da droben, aber ein bisserl schrullig sind sie auch. Das machen die schrulligen Lebensumstände. In einem Land, wo die Sonne ein halbes Jahr lang Urlaub macht und es den ganzen Tag über Nacht bleibt, in einem Land, in dem der gute Nachbar fünfzig Kilometer weit entfernt wohnt und die Menschen sich standhaft weigern, Bauchweh zu kriegen, weil der Onkel Doktor wegen derartiger Lappalien nicht den Helikopter anwirft, ist man klarerweise viel allein. In einem Land, in dem es aus der Erde grollt, aus den Felsen pfaucht und aus dem Moos seufzt und stöhnt, in dem der Wind flucht, der Regen weint und der Nebel kichert, bleibt man gern daheim. Da sitzt der Ise dann beim warmen Ofen, mariniert sich einen Grönlandhai in Ammoniak, spielt hervorragend Schach – gemessen an der Bevölkerungszahl hat Island die meisten Schachgroßmeister der Welt – und erzählt sich selber Geschichten von Elfen, Trollen und anderen Gnomen. An sagenumwobene Gestalten dieser Art glauben die Isen ganz fest, und dort, wo Trolle und ähnliche Wesen ihr Unwesen treiben, wird kein Haus gebaut. Drum schaut die Insel so karg aus.

An manchen Abenden sitzt der schrullige Ise aber auch einfach da, denkt über Thor und die Welt nach und hat schrullige Ideen. Das führt zu erstaunlichen Ergebnissen. So gibt es auf Island, um nur ein schrulliges Beispiel zu nennen, das einzige Phallusmuseum der Welt. Wer’s nicht glaubt, fliegt nächstes Jahr ausnahmsweise nicht nach Jesolo, sondern nach -Húsavík ins „Íslenzka Redasafn“. Dort steht man inmitten von 150 eindrucksvollen Exponaten, betrachtet den gemächtigen Blauwal und sein bestes Stück – 170 cm, 75 kg, immerhin – und ist angemessen stolz, ein Matscho zu sein.

Damit sind wir auch schon nahtlos bei der Damenwelt des Landes angelangt. Diese ist eine Augenweide, jedoch erschreckend emanzipiert. In Island haben die Mädels sogar ihren eigenen Familiennamen! Wäre z.B. Ihr sehr ergebener Autor ein Ise, hieße sein Sohn Matschoson, seine Tochter aber Matschodottir.

Im Übrigen wirken die Isinnen allesamt wie Königin Brunhilde und ihre Walküren, welche ja bekanntlich aus dem „Land von Feuer und Eis“ nibelungenwärts gezogen sind, um Siegfried & Co. den Aufreibfetzen in die Hand zu drücken. Kurz gesagt: Die Isinnen sind Riesinnen – groß, fesch, wuchtig. Sie tragen kurze Röcke, hohe Stiefel und erwecken ständig den Eindruck, als würden sie überhaupt keine Männer brauchen, es sei denn, um sie zu gebrauchen.

Und wenn die isischen Buben ordentlich spuren, kommen sie zur Belohnung – siehe oben – ins Museum. Wenigstens teilweise. Geschlechtsteilweise.

von Matscho

Wolfgang Kubasta ist Matscho.