
Bitter. Zum besseren Verständnis der heutigen Geschichte werden wir zunächst einmal etwas für unsere Lebensqualität tun, sehr ehrfürchtig lauschende Lesergemeinde. Und zwar werden wir den Unterschied zwischen einem Steinpilz und einem Gallenröhrling kennen lernen.
Der Unterschied ist nämlich der, dass es praktisch keinen gibt – so ähnlich schauen die beiden Brüder aus. Nur: Der Steinpilz schmeckt herrlich aromatisch. Und der Gallenröhrling schmeckt grauslich bitter. Nomen est omen: gallenbitter.
Jetzt werden Sie sich natürlich fragen, wieso der Matscho so etwas Exotisches weiß, aber die Antwort ist ganz einfach: Der Matscho weiß das, weil er sich auskennt. Der Matscho ist nämlich ein Schwammerlprofessor ersten Ranges. Gegen mich ist, mit Verlaub, sogar der gescheite Doktor Portisch ein pilzkundemäßiger Lehrbub.
Nun ist es leider so, dass ein Wald-und-Wiesen-Profi wie unsereins nicht zwangsläufig auch eine Trüffelsau sein muss. Im Klartext: Beim Suchen bin ich Weltklasse und beim Finden ein Jammer. Ganz anders dagegen meine liebe Frau Gemahlin. Die kann zwar einen Steinpilz nicht von einem Fußpilz unterscheiden, geschweige denn von einem Gallenröhrling. Dafür stolpert sie ständig über irgendwelche Prachtexemplare drüber. „Schau, was ich gefunden hab“, triumphiert sie und hält mir eine monumentale Parasolkeule unter die Nase. „Wirf das Ding weg“, sage ich grün vor Neid, „es ist giftig.“
Gestern war wieder einmal tote Hose angesagt im dunklen Tann – weit und breit kein genießbares Waldmännlein! Um mich nicht komplett zu blamieren, pflückte ich ein paar Gallenröhrlinge ins Körbchen, denn die würde ich meiner Götter-gattin, diesem ahnungslosen Schwammerllaien, locker als grandiosen Steinpilzfund unterschieben können.
Tatsächlich betrachtete SIE meine stolze Beute mit dem ausdruckslosen Gesichtsausdruck einer Sphinx. „Ich werde dir eine Sauce davon machen“, entschied sie schließlich. Damit nahm die Sache allerdings eine tragische Wendung, denn jetzt saß ich in der selbst gestellten Falle, und das noch dazu mit unzureichendem Ausredenrepertoire. „Ich habe leider keinen Appetit“, versuchte ich, das drohende Unheil abzuwenden. „Das wäre eine Premiere“, sagte meine Herzallerliebste, und in ihren faakerseefarbenen Augen glitzerte es bei diesen Worten wie Morgentau auf grünem Moos – es sah beinahe nach unterdrückter Vorfreude aus …
Wenig später saß ich bei Tisch, vor mir das Pilzgericht, neben mir meine Richterin: die gute Frau Matscho. An sich wäre es jetzt höchste Zeit für ein umfassendes Geständnis gewesen, aber weil ein Unglück selten alleine kommt, wuchsen auf einmal meine Kinder mit erwartungsfrohen Augen aus dem Erdboden. Matscholinchen und Matscho junior wollten mir – keine Ahnung, warum – ausgerechnet heute beim Essen zuschauen. Damit war das Geständnis natürlich hinfällig, denn seinen Kindern muss man ein Vorbild sein – da darf ein anständiger Papa nicht zugeben, dass er beim Schwammerlbrocken geschwindelt hat. So nahm ich also den Löffel zur Hand: mit bleicher Nasenspitze, das hilflose Opfer eines Menschenversuchs am lebendigen Leib ...
Zum Glück war die Show gleich nach dem ersten Bissen beendet. Der schmeckte nämlich dermaßen bitter, dass sich meine Speiseröhre auf Nimmerwiedersehen durchs Mittelohr verabschiedete. „Na, schmeckt’s?“, erkundigte sich meine Göttergattin mit einem seltsam wissenden Portisch-Blick im Gesicht. Da kam mir spontan eine gute Idee. „So wie alles, was du kochst“, sagte ich. Und das war immerhin eine ganz kleine Rache.
Best of Matscho!
1x noch vor Programmwechsel:
Sa, 11.11. (20 Uhr)
Kabarett Spektakel, 5., Hamburgerstraße 14
Karten: 01/587 06 53 oder http://www.spektakel.at