Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

Gewinn Vor allen anderen...

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Matscho

Eine verlässliche Frau

Tu dich auf, Vorhang! Erstrahle, oh Sonne! Erschallet, Trompeten! Denn meine Frau Matscho feiert demnächst ihre silberne Hochzeit!

Also, damit kein Missverständnis entsteht: Natürlich feiere ich auch. Aber halt eher still, so wie es meine Art ist. Entspannt sitze ich im gemütlichen Ohrensessel, und in aller Ruhe lasse ich die Szenen einer Ehe an meinem geistigen Auge vorüberziehen ...

Der sehr gerührte Leser mag mir bitte glauben, dass karge Worte nicht ausreichen, mein häusliches Glück zu beschreiben. Denn nicht nur, dass mir meine Göttergattin zwei wunderbare Kinder geschenkt hat – gekauft hätte ich die beiden ohnedies nie! –, oh nein: Sie hat auch noch, quasi als Mitgift, eine ganze Haushaltspackung erstklassiger Tugenden in die Verbindung eingebracht. Dabei muss vor allem ihre Verlässlichkeit hoch gepriesen werden. Ein glatter Wahnsinn, wie verlässlich sie ist – kaum passt ihr was nicht, schon verlässt sie mich ... nein, nein, nur Spaß! Ganz im Gegenteil: Ich könnte mich jederzeit getrost von einer steilen Klippe in die Tiefe stürzen – meine Herzallerliebste steht garantiert mit dem Sprungtuch unten und fängt mich wieder auf. So sehr ist Verlass auf sie!

Natürlich hat sie auch ihre Mucken, meine Frau Matscho. Während andere Ehefrauen ihre Männer mit Zuckerbrot und Peitsche regieren, lebe ich seit 25 Jahren praktisch zuckerfrei. Lästig ist vor allem ihr beharrliches Streben nach Gleichberechtigung, überhaupt bei der Hausarbeit. Eine wahre Schande, wie schwer ich da schuften muss! Nur ein Beispiel: Ich ergreife den Abfalleimer, trage ihn zur Tür, öffne diese, verlasse die Wohnung, strebe zur Mülltonne, klappe den Deckel hoch, leere den Mist hinein, klappe den Deckel wieder zu, gehe zurück, schließe die Wohnungstür und stelle den Abfalleimer ab. In der ganzen Zeit schafft meine Frau bestenfalls den restlichen Haushalt!

Über weitere Verdrießlichkeiten will ich großzügig hinwegsehen und sie nicht einmal erwähnen: dass mir meine Frau Gemahlin z.?B. beim Aufspannen des Regenschirms prinzipiell in die Augen fährt. Dass sie mich mit 39 Grad Fieber einkaufen schickt – als könnte ich etwas dafür, wenn SIE 39 Grad Fieber hat! Oder dass sie mich andauernd zu lähmenden Spaziergängen zwingt, welche noch dazu die geheimnisvolle Eigenart besitzen, dass es sowohl beim Hinmarsch als auch beim Zurückgehen ständig bergauf geht. Und so weiter.

Nur eine einzige Schrulle muss noch, so leid es mir tut, besprochen werden, denn die magerlt echt stark: dass sie mir nämlich ständig etwas anschafft, was ich ohnehin gerade tue. Also in etwa so: Ich entsteige frühmorgens den Daunen, da kommandiert sie aus dem Bad – AUFSTEHEN, MURMELTIER! Oder: Ich hantiere wie besessen mit dem Geschirrfetzen, da tönt sie von irgendwo – TELLER ABTROCKNEN, ABER DALLI!

Wie zum Beweis kommt sie in diesem Moment bei der Tür herein und schafft mir an, ich solle doch eine Geschichte über unsere silberne Hochzeit schreiben. Womit wir wieder bei ihrer allerbesten Eigenschaft angelangt wären: Auf diese Frau ist wirklich der totale Verlass!


Best of Matscho!
1?x noch vor Programmwechsel:
Sa., 11.11. (20 Uhr)
Kabarett Spektakel, 5., Hamburgerstraße 14
Karten: 01/587 06 53 oder http://www.spektakel.at

von Matscho

Wolfgang Kubasta ist Matscho.