Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

Gewinn Vor allen anderen...

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Matscho

Ein blöder Zufall

DRAMA. Die Leute meinen es gut mit mir. Die glauben, der Matscho badet allmorgendlich im Glückshormonteich, verspeist zum Frühstück einen Clown und ist dann den ganzen Tag über lustig. Aber die Leute irren sich.

In Wahrheit lebt Ihr sehr ergebener Matscho das mühsame Leben eines Dulders. Still leidet er vor sich hin, und am meisten leidet er unter Zufällen. Als einprägsamer Beweis dient das nun folgende Drama in drei Akten. Die Ausgangssituation: Es ist ein Uhr Mittag. Ihr sehr ergebener Matscho steht in der Küche und wärmt sich eine kräftige, mit Grießnockerln angereicherte Rindsuppe. Außerdem hat er dem bekannt strengen Herrn Chefredakteur vom VORMAGAZIN aufs Band gesprochen, dass er sich eine sanfte Erhöhung seines monatlichen Honorars vorstellen könnte, und wartet jetzt ängstlich auf dessen Rückruf ...

1. Akt: Die Suppe riecht hervorragend, der Matscho füllt sich den Teller bis zum Rand. Anschließend muss er das kostbare Porzellan von der Küche ins benachbarte Esszimmer transportieren, ohne auszuschütten oder sich die Finger zu verbrennen. Er tut dies, indem er betont langsam und in sachtem Schlittschuhschritt tischwärts gleitet. Ausgerechnet jetzt klingelt – ein blöder Zufall – das Festnetztelefon. Der Matscho reagiert kaltblütig und denkt: Bis zum Esszimmertisch sind es fünf Meter, bis zum Boden runter nur 80 Zentimeter. Vorsichtig bückt er sich, behutsam stellt er den Teller auf dem Teppich ab. Danach rast er im Eiltempo zum Telefon, denn der Herr Chefredakteur ist ein ungeduldiger Mensch. Nunmehr entspinnt sich folgender Dialog: „Matscho.“ – „Seavas Zrupfter.“ – „Wer spricht?“ – „I.“ – „Wer i?“ – „Da Wappler-Koal.“ – „Was wollen Sie?“ – „Bist du net der Zrupfte?“ – „Nein.“ – „Nix für unguat.“ Klicks. In diesem Moment erscheint mein Sohn auf der Bildfläche, und zwar rein zufällig, denn nach einer langen Party schläft er normalerweise bis tief in den Nachmittag hinein. Matscho junior ist es nicht gewohnt, dass der Suppennapf durch puren Zufall auf dem guten Teppich steht. Er steigt mit der rechten Greifzehe voran hinein, die Grießnockerln explodieren in sämtliche Himmelsrichtungen. Auf meiner feschen Trainingshose landen ein paar Fettaugen.

2. Akt: Hosenwechsel ist angesagt. Gerade, als sich das Bein­kleid um meine Knie ringelt, läutet – ein blöder Zufall – schon wieder das Telefon. Aha, der ungeduldige Herr Chefredakteur! Also rasch abgehoben: „Matscho.“ – „Seavas Zrupfter.“ – „Ich bin nicht Ihr Zrupfter, Herr Wappler.“ – „Dann heb net dauernd o, wennst es net bist.“ – „Idiot.“ – „Trottel. Nix für unguat.“ Klicks. Jetzt geht die Tür auf und meine Göttergattin kommt heim. Dass meine Göttergattin heimkommt, ist kein Zufall, dass sie eine fremde Dame im Schlepptau mitbringt, sehr wohl. Die fremde Dame wirkt befremdet, weil ich zufallsbedingt in der Unterwäsche dastehe. Souverän rettet Frau Matscho die Situation. „Mein Mann hat in unserer Ehe nicht die Hosen an“, erklärt sie, „und diese Dame ist gekommen, um dir das Wort Gottes zu verkünden.“

3. Akt: Die Dame verkündet inzwischen beim Nachbarn. Mein lästiger Sohn möchte wissen, ob er zuerst seine Brandwunden kühlen oder die Schnittverletzungen behandeln soll. Meine Frau Gemahlin klaubt Grießnockerln auf und schimpft. Ich bin wieder voll bekleidet. Da läutet das Telefon. „Es reicht, Wappler!!!“, schnaube ich in die Leitung. „Honorarerhöhung abgelehnt“, kontert der strenge Herr Chefredakteur kühl, „und über den Wappler reden wir noch!“ Klicks.

Und die Moral von der Geschicht: Die traurigste Absicht ist mir lieber als ein komischer Zufall.

von Matscho

Wolfgang Kubasta ist Matscho.