Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

Gewinn Vor allen anderen...

Benutzen Sie die Hilfslinks zum Navigieren in diesem barrierearmen Dokument.

Volltextsuche

Matscho

Scherben bringen Glück

Die Reizüberflutung dieser Tage macht es einem immer schwerer, Kindern eine Sensation zu bescheren. Dabei lieben Kinder Sensationen, und Ihr sehr ergebener Matscho betrachtet es seit jeher als seine eigentliche Lebensaufgabe, unsere kleinen Erdenbürger mit einem zünftigen Spektakel zu erfreuen.

Beim eigenen Nachwuchs ist mir das seinerzeit hervorragend gelungen. Gern erinnere ich mich an das stille Glück in den Augen meiner Tochter, als wir einen ganzen Nachmittag lang Steinchen von einer Brücke ins Wasser warfen und den Wellenkreisen dabei zuschauten, wie diese weiter und immer weiter wurden. Und hochzufrieden entsinne ich mich der zappeligen Aufregung meines Matscho junior, als wir Bimbo, den legendären Schönbrunner Elefanten, bei der Verrichtung seines gewaltig großen Geschäfts beobachteten. Ja, das waren noch Attraktionen, liebe Leser!

Glänzend bewährt hat sich auch stets die Freude-durch-Lärm-Methode. Zielgruppe dieser Methode sind Mädel und Buben im Alter von drei Jahren, die noch nicht im Internet surfen und daher den Wundern der eigentlichen Welt gewisse Reize abgewinnen können. Die Aktion selbst ist einfach, billig und geht so: Man bewaffnet sich mit ca. achtzig leeren Flaschen, steuert den nächsten Glascontainer an und wartet, bis eine Mutter mit Kind vorbeikommt. Danach lässt man die Flaschen in die dafür vorgesehene Öffnung gleiten, worauf – todsicher und ausnahmslos! – das Folgende passiert:

1. Bottle: DIE WONNE DES SCHOCKS! Nach erfolgtem Klirrgeräusch rotiert das Kind um die eigene Achse wie weiland Hans Moser in seiner Glanzzeit. Es spitzt die Ohren und beginnt leicht zu zittern.
2. Bottle: DIE STARRE DES GLÜCKS! Die Mutter will weitergehen, das Kind ist stärker und bleibt – Mund auf, Augen auf! – wie angewurzelt stehen.
3. Bottle: DIE EXPLOSION DES INTERESSES! Das Kind wittert die Sensation und identifiziert den urcoolen
Onkel beim Container als Auslöser des genialen Krachs.
4. Bottle: DER TRIUMPH DER
NEUGIER! Das Kind über­windet seine natürliche Scheu, sagt „Haben!“ und streckt begehrlich die Hand aus. In der Begehrlichkeit sind die Mädels den Buben erfahrungsgemäß weit überlegen.
5. bis 80. Bottle: DIE FASZINATION DER ZERSTÖRUNG! Vom urcoolen Onkel emporgehoben, entsorgt das Kind einen Glaskörper nach dem anderen wie wild. In dieser Phase sind die Buben unschlagbar, man muss nur höllisch aufpassen, dass die Flaschen auch wirklich im Container landen und nicht daneben. Ist die letzte Flasche zerborsten, kränkt sich das Kind, weil dem urvertrottelten Onkel das Vernichtungsmaterial ausgegangen ist. Während der Knirps plärrt, überbrücken routinierte Singles die Wartezeit am besten dadurch, dass sie sich die junge Mutti aufreißen.

Natürlich entwickeln die Kleinen nach und nach gewisse Vorlieben – entscheidend ist der Klirrfaktor! Mein Matscho junior hat beispielsweise die Veltliner-Bouteillen unseres Weinbauern ganz besonders gern demoliert, und auch das Zersplittern von Omas irdenen Grammelschmalzgefäßen hat ihm mörderisch getaugt. Auf diese Weise bin ich zum schweren Alkoholiker geworden, und mein Cholesterinspiegel ist seit dieser Zeit höher als Ihr Monatseinkommen, sehr besorgter Leser. Aber was tut man nicht alles für die Kinder!

von Matscho

Wolfgang Kubasta ist Matscho.