Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

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Matscho

Der Schäff

„Sie schreiben allerweil so lustige Geschichten zum Zerwuzeln“, lobte mich kürzlich eine junge Dame in den siebenten Dichterhimmel hinein, „aber worüber lachen eigentlich Sie, Herr Matscho?“ Schwere Frage.

Im überschaubaren Zeitraum der letzten zehn Jahre habe ich, mir scheint, nur zweimal gelacht. Einmal war ich mit meiner Frau Matscho auf einem nordafrikanischen Markt, da durften die Touristen eine Schlange streicheln. Gerade wollte ich das niedliche Tierchen anfassen, da fiel mir mein treusorgend’ Eheweib aufgeregt in den Arm. „Du Gute, du“, hauchte ich gerührt, „du sorgst dich wohl, dass sie mich beißt.“ – „Das weniger“, antwortete meine Herzallerliebste, ein praktischer Mensch durch und durch, „mir ist nur gerade eingefallen, dass wir keine Urlaubskrankenscheine mithaben ...“ Damals habe ich, wenn mich die Erinnerung nicht trügt, dreimal kurz aufgelacht: Ha! Ha! Ha!

Und dann war da noch die Geschichte mit dem Hüseyin. Der Hüseyin ist ein rechtschaffener muslimischer Macho, welcher nach dem seit Bestehen der Menschheit bewährten Motto lebt: Der Mann ist die Krone der Schöpfung und die Frau daheim redet, wenn sie gefragt wird. Außerdem ist der Hüseyin von Beruf Maurer, ein fleißiger noch dazu, und half uns Matschos seinerzeit bei einem kleinen Bauprojekt. Denn das ist ja typisch für meine Göttergattin: Dauernd reitet sie auf ihrer Emanzipation herum – aber ein Haus bauen kann sie bis heute nicht!

Als die Maurerbrigade – drei Herren aus dem Waldviertel und der Hüseyin aus Anatolien – zum ersten Mal bei uns antrat, lag gerade ein etwas schärferer Kommandoton in der Luft. „Ist eine Kaserne in der Näh’?“, fragte einer der Handwerker beklommen. „Nein, nein“, beruhigte ich ihn, „das ist nur meine Frau – die stampert gerade unseren Sohn Matscho junior zum Waschen und Zähneputzen ins Bad ...“ Da zogen die drei Herren aus dem Waldviertel und der Hüseyin aus Anatolien ehrfürchtig ihre Köpfe ein, packten Fäustel und Kelle aus und machten sich hurtig ans Werk.„Was tamma als Erstes, Herr Schäff, was schaffst ma an?“, fragte mich der Hüseyin. „Das dürfen Sie mich nicht fragen“, antwortete ich wahrheitsgemäß, „am besten gehen Sie zu meiner Frau, die wird Ihnen schon etwas anschaffen.“ Danach wandte ich mich zum Gehen und der Hüseyin glotzte mir entgeistert nach, als hätte ich mich soeben vor seinen Augen in ein Nilpferd mit roten Tupfen verwandelt.

Aber locker ließ er nicht. Am nächsten Tag war er schon wieder da: „Hast a Werkzeugkistl, Herr Schäff, i brauch an Hamma!“ Also, Wünsche hatte der! „Sie müssen sich an meine Frau wenden“, sagte ich geduldig, „die repariert bei uns alles, was kaputtgeht. Die weiß sicher, wo sich die Werkzeugkiste befindet ...“
Zwar hatte ich ihn diesmal ziemlich eindeutig abgeschmettert, dennoch riskierte er noch einen dritten Anlauf. „Klana Herr Schäff is ins Mörtelschaffl g’hupft“, meldete er aufgeregt eine Missetat meines kleinen Matscho junior und setzte, sprachlich hervorragend integriert, hinzu: „Gibst eahm bitte a Watsch’n?“ – „Das besorgt schon meine Frau“, klärte ich ihn auf, „die ist bei uns zu Hause für Zucht und Ordnung zuständig ...“

Danach haben der Hüseyin und ich nicht mehr viel miteinander zu tun gehabt. Aber am letzten Tag, nach getaner Arbeit, hat er sich von meiner Frau formvollendet verabschiedet: „Auf Wiedaschau’n“, hat er gesagt, „FRAU SCHÄFF!“
Sehen Sie, sehr geneigter Leser, in diesem historischen Moment habe ich zwar gelacht, aber nur ganz leise. In mich hinein. Ist sowieso am schönsten.

von Matscho

Wolfgang Kubasta ist Matscho.