Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

Gewinn Vor allen anderen...

Benutzen Sie die Hilfslinks zum Navigieren in diesem barrierearmen Dokument.

Volltextsuche

Matscho

Quasi ein Genie

Unlängst entdeckte ich in einer Wiener Großbuchhandlung einen Satirenband von Helmut Qualtinger. Und gleich daneben prangte – nein: glänzte! – das brandneue 152 Seiten-Opus „Matscho – mir reicht’s!“

Normalerweise steuere ich, wenn irgendwo ein Matscho-Buch unnütz im Regal herumsteht, sofort einen verblüfften Mitarbeiter an und befrage diesen eingehend, warum das gute Stück noch immer nicht verkauft ist. Aber diesmal war alles anders. Diesmal konnte ich mich einfach nicht sattsehen. Der große Quasi und der kleine
Matscho! Brüderlich vereint, Buchseite an Buchseite! Unter: „Österreichischer
Humor“! Diese Ehre, diese Freude, dieser Stolz!

Schauen Sie, Ihr sehr ergebener Autor ist ja seit seiner frühesten Pubertät ein glühender Qualtinger-Fan, und bis heute bin ich IHM treu geblieben. IHM, den Rolling Stones und meiner Frau Matscho. Und als mein ungeliebter Deutschlehrer den Qualtinger einmal als „Ungustl“ bezeichnete, schwang ich mich aus Trotz vom Fan zum Verehrer auf. Ich verehrte IHN in allen seinen Genres: als Kabarettist, als Satiriker, als Schauspieler.

ER war nämlich das schlechte Gewissen der Nation und zugleich deren guter Geist. Unerbittlich schaute ER den Leuten bis tief auf den Grund ihrer Seele, ohne dabei ein Auge zuzudrücken. Und ER konnte dermaßen lieb böse sein, dass es einem den Magen umdrehte. Mein Freund Kurt, seit jeher ein großer Anhänger der Rotweinblutwurst, hat, nachdem er den Qualtinger als Fleischhauer Oskar in den ‚Geschichten aus dem Wiener Wald‘ erlebt hat, nie wieder eine Blunze angeschaut.

Einmal bin ich dem Qualtinger sogar persönlich begegnet. Oder besser gesagt: Ich habe ihn getroffen. Und zwar habe ich ihn auf seiner großen Zehe getroffen, als ich, vor einem Zeitschriftenregal stehend, einen Schritt nach hinten tat, um mir einen besseren Überblick zu verschaffen. „Da Untere woa meiner“, hörte ich eine heisere, leicht gekränkt wirkende Stimme hinter mir raunzen. „Tschuldigung, Herr Qualtinger“, sagte ich. „Kann a jeder sog’n“, antwortete die heisere, leicht gekränkt wirkende Stimme. Danach fiel mir der Fleischhauer Oskar ein, und ich suchte rasch das Weite.

Auf indirekte Art – als Randfigur, gewissermaßen – habe ich noch eine weitere Episode mit dem Qualtinger erlebt, und die hat sogar eine hübsche Pointe. Es gebar nämlich seinerzeit eine Wiener Werbeagentur die nette Idee, Rundfunkspots im Stil der klassischen Wiener Doppelconference zu produzieren. Na, Sie wissen schon: G’scheit kontra Dumm. Im konkreten Fall sollte ein typischer Wiener Grantscherm von einem positiv denkenden Freund bekehrt und auf den rechten (Werbe-) Weg geführt werden. Als Positiven hatten sich die Werbeleute den Gerhard Bronner vorgestellt, als Grantscherm, eh klar, den Qualtinger. Der Bronner sagte auch prompt zu, der Quasi hingegen ließ aus Hamburg, wo er gerade am Thalia-Theater auftrat, gewohnt kompromisslos ausrichten: „Werbung? Seid’s deppert?!“ Da ließ man also den Bronner sich selbst sprechen und engagierte für den Grantscherm einen Stimmenimitator, der den Quasi’schen Tonfall hervorragend traf. Und dann kam der Qualtinger eines Tages nach Wien zurück, traf den Bronner auf der Straße und sagte zu ihm: „Seavas, Gerhard – host scho de zwa Trotteln g’hört, de uns im Radio nochmoch’n?!“



Matscho live mit neuem Buch!

Rund um die Burg: Sa, 22. 9., 12 Uhr (Großes Lesezelt am Wiener Rathausplatz).

Matscho rechnet ab“, Do, 27. 9., 20 Uhr, Kabarett „Spektakel“, 5., Hamburgerstr. 14 (Karten: 01/587 06 53 oder http://www.spektakel.at )

von Matscho

Wolfgang Kubasta ist Matscho.