
Ganz in Rosa: Pink Ribbon Night 2010
Heute, sehr willkommene Lesergemeinde, wollen wir uns über sogenannte Klischees unterhalten. Na, Sie wissen schon: Schotten sind geizig. Schlangen sind falsch. Maurer sind pünktlich. Und so.
Das Wunderbare an festgefrorenen Vorstellungen dieser Art ist ja, dass sie das Leben leichter machen.
Sie ersparen einem das Denken. Außerdem hat man immer Recht: Die kleinen, unschuldigen Vorurteile werden brav von Generation zu Generation weitergereicht und erheben somit den Anspruch auf Wahrheit.
Auch Ihr sehr ergebener Autor ist ein Freund von Klischeebildern, und am meisten mag ich solche über Frauen, das bin ich mir als Matscho schuldig. Sehr gelungen finde ich beispielsweise: Frauen sind wankelmütig – wer eine Frau beim Wort nimmt, ist ein Sadist! Männlich herben Charme versprüht auch: Frauen sind putzsüchtig – solange der Nagellack nicht trocken ist, ist eine Frau wehrlos! Von schelmischem Witz durchpulst ist schließlich: Frauen sind unersättlich – ein Straßenräuber verlangt nur Geld oder Leben, Frauen wollen beides! Hähä. Und damit ich’s nicht vergesse: Frauen sind – na, sagen wir: mitteilsam. „Ein Weib tut wenig, plaudert viel“, heißt es schon in Mozarts „Zauberflöte“, und
dieser Satz rennt bei mir natürlich offene Türen ein.
Ganz bewusst vermeide ich allerdings das – möglicherweise zutreffendere – Vokabel „schwatzhaft“, sonst heißt es wieder, ich gehe auf die Damen los. Also bleiben wir dabei: mitteilsam.
Schauen Sie, sehr geneigter Leser, ich weiß ja, wovon ich schweige, denn schließlich bin ich mit einem wahren Prachtexemplar weiblicher Eloquenz verheiratet. Anders ausgedrückt: Hätte ich nicht vor vielen, vielen Jahren begonnen, meine Matscho-Geschichten zu schreiben, wüsste kein Mensch, wie es mir geht, weil ich bei meiner Frau Gemahlin nicht zu Wort komme. Allerdings bezeichnet sie ihr tagtägliches Bad im Redefluss nicht als simples Plappern, oh nein: SIE ENTLASTET MICH VERBAL!!! Diese geniale Formulierung hat mich zu einem meiner berühmten Kurzgedichte inspiriert, welches da lautet: Seit ich die Frau Matscho hab – bin ich still so wie ein Grab.
Haben wir liebe Freunde zu Gast, würde ich diese gern gut unterhalten, z. B. mit der lustigen Geschichte, wie mein Sohn Matscho junior beinahe einen getrockneten Seestern gegessen hätte, weil er ihn für ein Weihnachtskeks gehalten hat. In Wirklichkeit sitze ich mit Zungenstarre und Stimmbandlähmung da wie ein Fleisch gewordener Witz ohne Worte. Denn kaum mache ich den Mund auf, sorgt meine Herzallerliebste augenblicklich für verbale Entlastung, weil sie Angst hat, ich könnte den Leuten den Appetit verderben. „Möchtest du leider etwas sagen oder bleibst du Gott sei Dank stumm?“, ist die elegante Tour, mich ruhig zu stellen. „Halt die Luft an, können ruhig fünf Minuten sein!“, klingt schon etwas bedrohlicher. „Schweig oder ich bin Witwe!“, ist die Hardcore-Variante.
Aber es wäre nicht meine Frau Matscho, wenn die Sache nicht auch ihr Gutes hätte. Kürzlich verabsäumte es ein ahnungsloser Verkehrsteilnehmer, meiner Göttergattin großräumig auszuweichen, worauf es schepperte – und zwar ordentlich! „Sie müssen schon entschuldigen ...“, setzte ich zu einer kühnen Verteidigungsrede an, aber da stand auch schon Miss Schumacher neben mir. „Du vertrittst meine Interessen am besten, indem du strenges Silentium hältst“, entlastete sie mich verbal, und danach erklärte sie dem verdutzten Herrn die Vorrangregeln aus ihrer ganz persönlichen Sicht.
Sie werden es nicht glauben: Morgen kauft uns der gute Mann ein neues Auto.