Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

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Matscho

Typhus Ulcus Tinnitus

Kürzlich lernte ich im deutschen Fernsehen ein deutsches Baby deutscher Eltern kennen. Der neue Erdenbürger hieß: Maurice Marvin Massimiliano. Da dachte ich bei mir: Wow!

Maurice Marvin Massimiliano, das streichelt die Zunge. Maurice Marvin Massimiliano – wie viel Zeit, Geist und Zeitgeist müssen Mami und Papi für diese geile ­Komposition aufgewendet haben! Ihr sehr ergebener ­Matscho ist ja diesbezüglich leider ein Ver­sager. Meine Kinder haben mir bis heute nicht verziehen, dass ich sie bloß auf Matscholinchen und Matscho junior taufen ließ. Deswegen haben sie mir auch zu meinem letzten Geburtstag eine Sechser-Packung Grablichter geschenkt, vermute ich. Schauen Sie, meine persönliche Meinung war ja bisher die, dass es völlig egal ist, ob ein Bub Ro-, Hu- oder Norbert heißt – irgendwann sagen eh alle Bertl zu ihm. Dachte ich halt. Aber Maurice Marvin Massimiliano hat meine simple Einstellung komplett verändert. Denn der Mensch wechselt im Laufe seines Lebens Schuhgröße, Kragenweite und Haarwuchs. Aber der Vorname bleibt, der ist ein Tattoo, gewissermaßen. Da zahlt es sich schon aus, ein bisserl Gehirnschmalz einzusetzen.

Zunächst einmal ist internationales Flair gefragt. Sollten Sie also, liebe werdende ­Lebensspender, Ihrem Sohn den hochaktuellen Namen Jason verpassen, dann sprechen Sie ihn um Himmels willen nicht aus wie den ollen Argonautenfürst, sondern very british, bitte schön. Also wie ein altes Auto: Tschäs’n. Das weibliche Pendant dazu ist die ebenfalls gern genommene Tschäsika.

Außerdem reicht ein Vorname schon lange nicht mehr, von modernem Geist durchpulst ist die Dreierkombination. Maurice Marvin Massimiliano ist zwar bereits vergeben, aber Wotan Goran Tarzan dürfte noch frei sein, und Blasius Björn Mustafa habe ich bislang auch noch nicht gehört.

Im Übrigen sind Kalendernamen out, frei erdachte Namen in. Vor allem für die Mädels fällt mir da allerlei ein. Rabiata Grobiana wäre ein hübscher Name für ein resches Temperamentsbündel, Frigida Frustina eignet sich eher für kühlere Typen. Wer nicht genügend Phantasie besitzt, kann Anleihen bei der Medizin nehmen. Vor allem Tropenkrankheiten sind eine wahre Fundgrube – in Kombination mit einer deftigen Mandelentzündung ergibt sich der anmutige Name Angina Cholera Malaria wie von selbst. Aber auch für die Buben ist bestens gesorgt: Beschwingter als der altmodische Kaiser Titus kommt immer noch Typhus Ulcus Tinnitus daher.

Eine klassische Methode ist es, Starnamen zu verwenden, doch muss man höllisch darauf achten, dass diese zum Familiennamen passen. Bon Jovi Sedlacek klingt z. B. nicht wirklich organisch, dafür besticht Madonna Maradona Donner durch vorbildliche Kompaktheit. Bilden Vor- und Nachname ein harmonisches Ganzes, ist die Namensgebung so gut wie gelungen. Als besonders würdevolles Beispiel thront Kaspar Melchior Balthasar König an vorderster Stelle. Flatulenzia Brummhilde Lüfterl durchweht ein sanfter Hauch von Po-esie, und der karge Onan Selbstfried Eigenstiller ist mein ganz persönlicher Favorit.

Doch jetzt noch einmal zurück zum kleinen Maurice Marvin Massimiliano. Dessen Eltern haben, wie ich durch die TV-Sendung erfuhr, ein paar Tage lang durchgefeiert und ihr Herzallerliebstes ohne Essen und Trinken, Licht und Wärme, im Gitterbett zurückgelassen. Mami und Papi haben ihre ganze Kraft für eine originelle Namensgebung verbraucht. So gesehen wäre Bertl vielleicht sinnvoller gewesen.

von Matscho

Wolfgang Kubasta ist Matscho.