Vormagazin

Ausgabe Jänner 2012

Darf ich bitten? - Die Ballsaison ist eröffnet.

Gewinn Vor allen anderen...

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Matscho

Kleines Pädagogikseminar

Seit Bestehen der Menschheit funktioniert die Aufzucht unserer lieben Kinder nach einem einfachen Prinzip: Zuerst ziehen wir sie groß. Danach kriegen sie uns klein.

Damit aus den süßen Bälgern aber auch ganz sicher schreckliche Erwachsene werden, findet zwischendurch Pädagogik statt. Wobei die alles entscheidende Frage lautet: Wie bringe ich meinen Lieblingen Gehen und Sprechen bei, auf dass sie später stillsitzen und den Mund halten? Paukenwirbel oder Flötentöne? Gsunde Watsch’n oder eine andere kranke Methode? Bitte, Theorien gibt es wie Sand am Meer, aber Ihr sehr ergebener Matscho, ein pädagogisches Naturtalent, ist überzeugter Praktiker. Und der wichtigste Rat, den ich allen Nachwuchseltern dieser Welt erteilen kann, lautet: ausprobieren. Ja, ich habe bei meinen Kindern alles nur Erdenkliche ausprobiert – mit Erfolg!

Ein gutes Bespiel war seit jeher die Bettgeh­zeremonie. Da warf ich zunächst einmal meine ganze Autorität in die Waagschale. „Ihr müsst jetzt schlafen gehen!“, sagte ich zu meinen beiden Hübschen, welche gerade mit großen Augen vor dem Fernsehapparat saßen. „Wir bleiben lieber auf“, erwiderten daraufhin die zwei. „Schlafen gehen!“, forderte ich, denn Kinder lieben Wiederholungen. „Aufbleiben“, wiederholten die Kinder. „Schlafen gehen!“ – „Aufbleiben.“

Aha, dachte ich, sie machen also das Gegenteil von dem, was du verlangst – da werde ich sie überlisten! Am nächsten Abend kündigte ich an: „Ihr dürft heute NICHT schlafen gehen, ihr müsst aufbleiben!“ – „Okay“, gehorchten die Kinder, „wir bleiben auf.“ – „Aufbleiben!“, beharrte ich. „Aufbleiben“, fügten sich die Kinder. Damit hatte ich mich endgültig durchgesetzt und meinem Nachwuchs nebenbei konsequentes Verhalten beigebracht.

Meine zu exotisch unkomplizierten Erziehungsmethoden neigende Göttergattin wiederum setzt auf das, was sie „normalen Menschenverstand“ nennt. Das ist zwar ein ziemlich schwammiger Begriff, dennoch hat er was für sich, wie die nun folgende Szene zeigt. Wir befinden uns nämlich im Supermarkt, eine alte Dame steht vor dem Milchregal, eine Mutti nähert sich mit Nachwuchs. Der Knirps darf das Einkaufswagerl schieben, prompt fährt er der alten Dame über die Fersen. Diese ersucht den Buben, aufzupassen, wo er mit dem Wagerl hinkutschiert. Der Kleine erkennt augenblicklich seine Chance, Unerwünschtes zu tun, und vollführt die Aktion neuerlich mit Karacho. Und dann noch einmal – Kinder lieben Wiederholungen. Nunmehr beschwert sich die alte Dame bei der Mutti, doch diese hat eine einleuchtende Erklärung parat: „Ich erziehe meinen Sohn antiautoritär“, sagt sie, „er ist gewohnt, zu tun, was er will.“ Nach diesen Worten erscheint ein junger Mann auf der Bildfläche. Er hat einen Joghurtbecher in der Hand, öffnet diesen und gießt den Inhalt über dem Kopf der Mutti aus. Die reagiert klarerweise aufgeregt, aber auch der junge Mann argumentiert plausibel: „Tut leid“, sagt er, „ich wurde antiautoritär erzogen und bin gewohnt, zu tun, was ich will.“ Worauf aus dem Hintergrund die Stimme eines bislang Unbeteiligten ertönt, und diese Stimme ruft: „Das Joghurt geht auf meine Rechnung!“

Diese kleine Episode ist mir zugetragen worden, werte Lesergemeinde, ich habe sie nicht persönlich erlebt. Aber beim ganz normalen Menschenverstand meiner Frau Matscho: Der Unbeteiligte aus dem Hintergrund könnte ich gewesen sein.

Die Matscho-Kinder
Das Protokoll einer pädagogischen
Katastrophe im Doppelpack.
Am: Sa., 5.?4. (20 Uhr) und So., 6.?4.
(19 Uhr, vorverlegter Beginn!)
Im: „Spektakel“, 5., Hamburgerstr. 14
Karten: 01/587 06 53 oder
http://www.spektakel.at

von Matscho

Wolfgang Kubasta ist Matscho.