Vormagazin

Ausgabe September 2010

Ganz in Rosa: 
Pink Ribbon Night 2010 - Ein Zeichen setzen: die Pink Ribbon Night am 30. September feiert gemäß dem Motto der Krebshilfe 'Aus Liebe zum Leben'. Plus: Tatort Kaffeehaus bei der Kriminacht 2010, Bürgermeister Michael Häupl im Interview und 77 Gewinne! Copyright Schloß Schönbrunn Kultur- und BetriebsgembH, Foto A. Koller

Ganz in Rosa: Pink Ribbon Night 2010

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Matscho

Long Time Lover

In den Achtzigern lernte meine Tochter ihre erste große Liebe kennen. Im Advent. Es war ein Seehund.

Matscho12 ©Kubasta jr.

Matscholinchen war damals gerade eineinhalb Jahre alt, Waffi höchstens ein paar Tage: Er roch noch frisch nach Fabrik. Mit schwarzen Knopfäuglein himmelte er sie an, mit strahlend blauen Leuchterchen erwiderte sie seinen Blick, und dazu machte die Verkäuferin, dieses raffinierte Biest, possierliche Bewegungen mit Waffis kleiner Patschflosse. Besitzergreifend streckte meine Tochter ihre Ärmchen aus: „Haben!“, sagte sie. „Einpacken!“, sagte ich. „Fünfhundertneunzig Schilling!“, sagte die Verkäuferin. Damit hatten wir ein neues Familienmitglied. Natürlich konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen, dass meine Tochter, dieses treue, monogame Wesen, gleich beim erstbesten Typ hängen bleiben würde. Schon bald aber traten Waffi und sie nur mehr im Doppelpack auf. Frühmorgens wurde er liebevoll von ihr gekämmt. Am Vormittag spielte er mit ihr Bilderdomino. Am Nachmittag fuhren sie gemeinsam im Kinderwagen spazieren. Und zwischendurch entwendete sie meiner Frau Gemahlin den Lippenstift aus der Handtasche, um sich für ihn zu schminken.



Beim Greißler gab’s jedes Mal ein Zuckerl für sie und einen Rollmops für ihn. Kriegte er einmal keinen Rollmops, verweigerte sie aus Protest das Zuckerl. Wahre Liebe kann verzichten. Zwischendurch gab es kleinere hygienische Probleme. Bei jeder Mahlzeit wurde Waffi mitgefüttert. Das war schlecht, denn nach kürzester Zeit begann das gute Tierchen unheimlich zu picken. Ein andermal nahm sie ihn mit in die Sandkiste. Das war gut, denn danach war er dermaßen im Sand eingebacken, dass man nicht mehr merkte, wie pickig er eigentlich war. Zum Schlafengehen schließlich durfte Waffi mit ins Gitterbett – der absolute Höhepunkt des Tages. Innig kuschelte man sich aneinander, leidenschaftlich drückte sie ihn an ihre kleine, unschuldige Kinderbrust. Das nährte natürlich eine gewisse Eifersucht in meiner gekränkten Vaterseele. Der komische Fischfresser war glatt dabei, mir meine Tochter auszuspannen ... Ich beschloss, eine saftige Intrige zu spinnen, und kaufte im Spielzeugladen den schönsten, größten und farbenfrohesten Wurstel, den man sich nur vorstellen kann. Am Abend präsentierte ich den Prachtkerl mit gewaltigem Pipapo. Matscholinchen musterte ihn kurz, warf ihn abschätzig in die nächste Ecke, packte ihren Seehund und ging mit ihm heia.



Jetzt, viele Jahre und unzählige Waschmaschinengänge später, sieht der gute Waffi aus wie ein in den letzten Zügen liegender Putzfetzen, und auch die einstige Leidenschaft ist einer gewissen Alltagsroutine gewichen. Hatte Matscholinchen ihren Seehund anfangs wie einen jungen Geliebten geherzt und geküsst, so erfüllt er seit geraumer Zeit eher die Funktion eines Ehemanns. Er liegt halt neben ihr – und schnarcht, hätte ich jetzt beinahe gesagt. Oder er wird, wie das Leben so spielt, im Bett gelegentlich als überflüssig betrachtet. Da hockt er dann wie ein Mahnmal auf irgendeinem Regal herum und ist ganz schön sauer, vermutlich. Aber: Er ist da!



Kürzlich fuhr meine Tochter mit dem Auto los, um eine Freundin in München zu besuchen. Eine knappe Stunde später war sie schon wieder retour, denn knapp vor St. Pölten war ihr eingefallen, dass sie vergessen hatte, den Waffi einzupacken. Ich wette um jeden Betrag: Sie hätte auch noch in Salzburg umgedreht.

von Matscho

Wolfgang Kubasta ist Matscho.