Vormagazin

Ausgabe Mai 2012

Loslaufen - Trainings-Tipps für Einsteiger

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Matscho

Häslein, Ratte, Kuh und Bär

"Frauen haben Humor, Männer erzählen Witze." Mit anderen Worten: Frauen besitzen Esprit, Männer sind Trottel.

Matscho 01_09 ©Schuster-Merlicek

Angesichts eines derartig haarsträubenden Allgemeinplatzes würde ich natürlich glatt meinen Humor verlieren – wenn ich einen hätte. Als typischer Mann aber bin ich zum Glück von der feinen Klinge befreit und gestehe freimütig: Ja, auch ich erzähle Witze. Natürlich nicht in meiner Funktion als Poet – man möchte schließlich ernst genommen werden! Aber privat, in der Kartenrunde, am Stammtisch, da verwandelt sich Ihr sehr ergebener Matscho innerhalb kürzester Zeit in einen Scherzbold der Sonderklasse. Meine Spezialität sind die so genannten Stenogrammwitze, also die ganz kurzen – je kürzer, desto besser. Also z.B. der vom Sadisten, der einen um Brutalität flehenden Masochisten ganz besonders grausam quält, indem er ihn NICHT quält. Oder der vom Hellseher, welcher, als es an der Tür klopft, „Wer ist draußen?“ ruft, worauf der Kunde gleich wieder umdreht. Entzückend ist auch der vom Skelett, dem der Onkel Doktor schonend beibringen muss, dass es ein bisserl früher in

die Ordination hätte kommen sollen.



Auch über mich selbst kenne ich einen besonders kurzen Witz, und zwar lautet der:

Der Matscho geht an einem Heurigen vorbei ... Diese gelungene Pointe legte ich kürzlich

meiner Göttergattin vor. Nachdem ich

den Satz beendet hatte, sagte sie streng:

„Weiter.“ – „Der Witz ist aus“, antwortete ich. „Dann musst du ihn mir erklären.“ – „Witze erklärt man nicht.“ – „Worüber soll ich dann lachen?“ – „Dass der Matscho an einem Heurigen vorbei geht.“ – „Was ist daran lustig?“ – „Dass der Matscho NIEMALS an einem

Heurigen vorbei geht. Er geht HINEIN.“ – „Das findest du lustig? Ich find’s zum

Weinen.“ Und so weiter ...

Wir lernen daraus: Das Wichtigste an einem Witz ist komischerweise nicht der Witz und auch nicht sein Erzähler. Das Wichtigste ist der Witzempfänger. Der muss des Lachens fähig sein: spontan, lauthals und – das Nonplusultra! – ansteckend. In dieser Hinsicht ist meine Frau Matscho leider eine Katastrophe. Gestern probierte ich es dennoch wieder, und zwar mit meinem derzeitigen Lieblingsbrüller. Der ist nach einem bewährten Muster gestrickt: leicht infantil und außerdem blütensauber, sodass man ihn bei jeder Kinderjause erzählen kann. Also:



Ein Häslein hoppelt durch den Wald und begegnet einem anderen Tier. „Was bist’n du?“, fragt das Häslein, und das andere Tier antwortet: „Ich bin eine Biberratte.“ – „Wie geht’n das?“, will das Häslein wissen. „Mein Papa ist ein Biber“, sagt das Tier, „und meine Mama eine Ratte.“ Da hoppelt das Häslein weiter und begegnet neuerlich einem Tier, worauf sich

folgender Dialog entspinnt: „Was bist’n du?“ – „Eine Hirschkuh.“ – „Wie geht’n das?“ – „Mein Papa ist ein Hirsch, meine Mama eine Kuh.“ Und wieder hoppelt das Häslein weiter, und wieder begegnet es einem Tier. „Was bist’n du?“, fragt das Häslein. „Ich bin ein Ameisenbär“, antwortet das Tier. Da beutelt das Häslein ungläubig seinen Kopf und sagt: „Geh’ schleich di ...“

Diese kleine Fabel trug ich also meiner Herzallerliebsten vor. „Wie gefällt dir der Witz?“, fragte ich besorgt. „Es hätte schlimmer kommen können“, sagte sie mit ernster Miene. Und auf meinen fragenden Blick setzte sie fort: „Ich habe schon befürchtet, das Häslein begegnet im Wald einem Tigerhai ...“



Na bitte, sind wir nicht ein perfektes Team? ICH habe den Witz – und SIE nimmt ihn mit Humor.

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von Matscho

Wolfgang Kubasta ist Matscho.