
Heute werden wir der Damenwelt einmal so richtig den Herrn zeigen. Und zwar werden wir – tatatataaa! – das Hohe Lied von der Krawatte anstimmen.
Von vielen belächelt und als Nebensächlichkeit abgetan, ist die Krawatte in Wahrheit eine letzte uneinnehmbare Bastion, auf welcher sich der Männer Macht und Vorrang gründet. Natürlich können sich auch die Mädels, wenn sie Lust haben, eine Krawatte umschnallen. Aber was wird sein? Nichts wird sein! Eine Frau mit Krawatte wird immer ausschauen wie eine Frau – mit Krawatte. Günstigstenfalls wird man sie für eine Werbefotografin oder die Geschäftsführerin einer Wander-Peepshow halten. Aber die Krawatte wird ihr weder besondere Achtung noch zusätzliche Würde verleihen.
Ganz anders dagegen bei unsereins! Zunächst einmal hebt die Krawatte das Ansehen eines Mannes und macht ihn enorm vertrauenswürdig. Sogar Bankmanager wirken mit umgebundenem Schlips hochseriös, selbst wenn es sich dabei um Anklagebankmanager handeln sollte.
Auch vermittelt die Krawatte am Manne ein hohes Maß an Ernsthaftigkeit. Dies ist vor allem bei geschäftlichen Besprechungen erwünscht, sogenannten „Meetings“. Da sitzen lauter ernste Herren – alt-ottakringerisch „Ernstln“ genannt – und führen mit ernsten Gesichtern ernste Gespräche über ernste Themen, z. B. über die Zimmereinteilung für den nächsten Betriebsausflug. Wer am ernstesten dreinschauen kann, ist der Chef. Der darf sogar Sätze von sich geben, wie: Jetzt heißt es die Ärmel aufkrempeln, meine Herren, dann wird es rasch wieder bergauf gehen mit unserer Firma! Er darf das deswegen ungestraft tun, weil seine Krawatte sogar den plattesten Spruch zur Lebensweisheit adelt.
Ein Batzenvorteil von Selbstbindern ist auch, dass sie ihren Trägern irgendwie etwas Heroisches verleihen. Man denke nur an die ständige Atemnot, an die schweren Würgemale! Man berücksichtige die vielen, vielen Schweißausbrüche in vollgestopften Ballsälen und überheizten Konferenzräumen! Man beachte die permanente Bedrohung durch eine der schlimmsten Zwangsneurosen, die es gibt: den Krawattenzwang! Wer da freiwillig durchgeht, darf sich wahrlich „Held“ nennen.
Zum guten Schluss vermittelt die Krawatte aber: MÄNNLICHKEIT! Bedeutende Geister haben ja längst erkannt, dass Krawatten nichts anderes sind als heimliche Phallussymbole. Das lässt guten Mut aufkommen – vor allem im Hinblick auf das möglicherweise irgendwann einmal einsetzende Schwinden der Manneskraft. Nicht umsonst heißt es in einem alten indischen Sprichwort: Bist du sexmäßig im Malus – häng’ dir um den Hals an Phallus!
Kein Wunder also, dass so viele Männer eine Riesenfreude haben, wenn man ihnen jedes Jahr zu Weihnachten eine Krawatte schenkt. Denn die Krawatte schmückt den Adam und unterstützt ihn im redlichen Bemühen, das schwache Geschlecht auf Vorderfrau zu bringen. Am Körper eines Weibes hingegen versagt des Selbstbinders wundersame Kraft. Eine Frau mit Krawatte wird durch dieselbe weder wichtiger noch begehrenswerter, und schon gar nicht wird sie männlicher – wobei Letzteres noch am ehesten zu verkraften wäre.
Übrigens: Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass DIE Krawatte weiblich ist und den Männern zum Halse raushängt? Sehen Sie: Alleine um mit diesem geistreichen Witz in Gesellschaft brillieren zu können, ist die Krawatte für uns Herren der Schöpfung unersetzlich.