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Ausgabe Mai 2012

Loslaufen - Trainings-Tipps für Einsteiger

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Matscho

Nonstop Nonsens

Die neugierigsten Menschen dieser Welt sind – darüber herrscht kein Zweifel – die Frauen.
Da macht meine Frau Matscho keine Ausnahme. Aber sie gibt es nicht zu.

 

Matscho Juni 09 ©schwupp

Dabei bin ich ganz sicher, dass sie jeden Samstagvormittag die Tür zwischen Küche und Wohnzimmer nur deswegen einen Spalt offen lässt, um meinen Sohn und mich heimlich zu bespitzeln. Da sitzen wir Herren der Schöpfung nämlich vor dem Fernsehgerät, schauen miese Filme mit super Weibern und führen dazu thematisch passende Männergespräche. SIE aber komponiert gleich nebenan das Mittagessen: An guten Tagen gibt’s die preisgekrönten Wurstknödel, an weniger guten Tagen Broccoliauflauf. Broccoli sind bekanntlich zum Kotzen. Sprechen Sie, sehr verehrter Leser, das Wort „Broccoli“ mit möglichst vielen „rrr“ aus, hängen Sie ein paar „www“ dran, und Sie wissen was ich meine:
BRRRWWWOCCOLI!

Aber zurück zum Thema. Seit Matscho junior und ich den Verdacht nähren, dass meine Herzallerliebste Lauschangriffe auf uns startet, bestrafen wir sie – hart, aber gerecht – mit Sinnlosgesprächen. Die kann sie, eine strenge Realistin, auf den Tod nicht ausstehen. Die Geburtsstunde des Sinnlosgesprächs schlug an jenem Tag, als mein Sohn und ich uneins darüber waren, ob der Erfinder des Beinschinkens Alfred oder Gustav Bein hieß. „Es könnte aber auch Korbinian Bein gewesen sein“, mutmaßte Matscho junior, und in der Küche schaltete jemand den Handmixer aus, um besser zuhorchen zu können. „Oder vielleicht Jochen Bein?“, hatte ich einen weiteren vertrottelten Vorschlag, denn nebenan war es inzwischen mucksmäuschenstill geworden. „Du hast keine Ahnung“, korrigierte mich mein Stammhalter, „Jochen Bein war ein berühmter Arzt – nach ihm ist das Jochbein benannt …“ Sekunden später ertönte aus der Küche wütendes Schnitzelklopfen.

Seit diesem Tag benützen wir Männer das Sinnlosgespräch als wirksame Waffe gegen weibliche Neugier. Kaum spitzt meine Göttergattin nämlich die Ohren, malen Matscho junior und ich uns aus, welche Unsummen ein Sportartikelhändler verdienen hätte können, wenn es zur Zeit der Völkerwanderung bereits Nordic Walking-Stecken gegeben hätte. Wir plaudern zwanglos über Sex mit Möbelstücken und hinterfragen die Sinnhaftigkeit von Meerschweinchen-Piercings. Wir stellen uns Ungetüme und Unholde vor sowie deren glattes Gegenteil: das nette Getüm und den sanften Hold. Oder wir wälzen den Gedanken, ob es ein Zeichen von Geiz ist, wenn ein Mensch auf dem Zebrastreifen hin- und herrennt wie verrückt, um die Grünphase voll auszunützen. Überaus lohnend war auch die Debatte, was passieren würde, sollte die schreckliche Mangelkrankheit Skorbut nicht, wie von der Natur vorgesehen, das Zahnfleisch befallen, sondern den Popo – da ließ unsere Spionin in der Kombüse vor lauter Nervosität gleich mehrere Teller zu Bruch gehen!

Gestern formte SIE wieder einmal die besten Wurstknödel der Welt, mein Sohn aber schaute ausnahmsweise keinen miesen Film mit super Weibern, sondern ein lehrreiches Tiervideo. Und weil die Tür zwischen Küche und Wohnzimmer aus Gründen der Neugier halb offen stand, saß uns sofort der Schalk im Nacken, was zu folgendem Dialog führte: „Was schaust du da?“ - „Einen Film über Krokodile.“ - „Hähä, spielt deine Mutter auch mit?“ - „Nein, hähä, es kommen nur zahme Krokodile vor …“

Beim Mittagessen setzte es dann eine schwere Niederlage, denn statt der angekündigten Wurstknödel kam der unbeliebte Brrrwwwoccoliauflauf auf den Tisch. Frauen sind nämlich - beinahe hätte ich’s vergessen - nicht nur besonders neugierig, sondern auch speziell rachsüchtig.

von Matscho

Wolfgang Kubasta ist Matscho.