
Neulich war an dieser Stelle die Rede von der Jagd. Genauer: vom Ende einer Jagd in Wien – weil doch am einstigen Flugfeld Aspern nun eine Stadt gebaut wird: Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagten, dürfen Wiens Berufsjäger (ja, die gibt es – sie stehen im Solde des Forstamtes) nicht mehr zum Halali blasen. So weit so gut.
Dennoch warf die Geschichte Fragen auf. Die, nach der Zahl der Stadtjäger (etwa 30), ihren Revieren (32) und ihren Abschüssen (2007 rund 3000 Stück Wild). Außerdem poppte eine der schönsten Wiener Stadtlegenden auf. Die, von der Jagd auf dem Zentralfriedhof.
Ob es stimme, mailte VORmagazin-Leser F., dass man das Äsen auf Gräbern, das Buddeln in Beeten und das Naschen von Kränzen so verhindere? Bekannte hätten ihm von Schüssen am Friedhof erzählt. Freilich, so F., könne er sich kaum vorstellen, wie das hier funktionieren solle: Schlimmer, als ein Eichhörnchen-Nussdepot über Omas Ruheplatz, wären Einschusslöcher in Grabsteinen, zersiebte Kreuze und durch Schrot pockennarbige Engel doch allemal. Oder?
Doch diese Ängste sind so plastisch wie grundlos: Der letzte Schuss auf dem Zentralfriedhof – fiel vor Ewigkeiten. Laut der „Presse“ exakt am 20. Jänner 1987 – und akribisch ist protokolliert, wer damals am Friedhof sein Leben ließ: acht Hasen, drei Kaninchen und zwölf Fasane.
Seither aber ist Ruhe. Außer jemand gräbt die Sage von der Jagd am Friedhof aus. Dann meldet sich rasch jemand, der Schüsse gehört haben will. Auch wenn die – auf Nachfrage – immer nur der Nachhall vom Hörensagen alter Legenden sind …
Thomas Rottenberg
ist Redakteur bei der Tageszeitung
„Der Standard“ und Moderator bei „ServusTV“