
Der Mann fotografierte eine stinknormale Straßenbahn. Und rief dabei: „Eine Sensation, eine Sensation!“
Es war neulich. Beim Surfen. Da verstand ich, wovon der Mann an der Wendestelle im September gesprochen hatte. Denn als ich ihn traf, hatte ich nur halb zugehört.
Der Mann stand an der Endstation der Straßenbahnlinie 52: Ich war auf dem Weg zur Enthüllung einer Gedenktafel am Wohnhaus von Leon Askin – und dass der 52er ausgerechnet am Leon-Askin-Platz seine Schleife macht, fiel mir auf. Ich griff nach meiner Kamera. Neben mir packte da auch einer die Kamera aus. Und während er fotografierte, murmelte er ständig: „Eine Sensation!“ Ich fragte, was denn die Sensation sei. Der Mann sah mich an: „Die Straßenbahn!“, rief er, „Unglaublich!“ Dann kam Technik-Chinesisch. Ich verstand nur, dass diese Bim nicht auf diese Strecke gehöre. Das, so der Mann, sei extrem spannend. Ich wunderte mich und vergaß die Sache rasch.
Neulich aber erzählte mir jemand von der „fanpage-der-wiener-linien“ (www.fpdwl.at). Ich klickte hin: Da schreiben sich Menschen die Finger darüber wund, welcher Straßenbahntyp wo in welchem Zustand unterwegs ist. Inklusive Fotos. Und Links auf globale Bim-Watch-Seiten. Ich war beeindruckt. Und neidig. Weil ich Leute, die sich derart in etwas vertiefen können, um ihre Hingabe und ihr Herzblut beneide. Ich blätterte und las weiter. „Meinen“ 52er fand ich nicht. Auch inhaltlich verstand ich kaum ein Wort. Aber das macht nichts. Weil das, worum es geht, immer zwischen den Zeilen steht.