
Neulich konnte ich den Touristen echt nicht helfen. Hinter mir lästerte jemand ganz allgemein über die Anzeigetafeln der Wiener Linien.
Derb, aber beruhigend: Nicht nur ich war also nicht in der Lage, das Logo über meinem Kopf zu verstehen. Die Touristen hatten auf den D-Wagen gewartet. Am Ring. Aber dass der tatsächlich erst in 23 Minuten kommen würde, schien doch eher lang. Und zwischen Linie und Zeit prangte ein Logo: ein Sitzender. Vermutlich. Aber: Was hat der mit der Straßenbahn zu tun? „Vielleicht heißt das: Suchen Sie sich ein Bankerl. Oder gehen Sie auf einen Kaffee“, mutmaßte der Ur-Wiener.
Die Touristen schickten wir zu Fuß los: In 23 Minuten kommt man so auch zum Belvedere. Als ich auch gehen wollte, zeigte die Tafel aber plötzlich „drei Minuten“. Ohne Sitzlogo. Gleich darauf sprang sie wieder auf 23. Der Ur-Wiener fluchte – und ging. Ich rief F. an. Denn F. ist kompetent: Er arbeitet für eine Zeitung. F. lachte: Ja, das Logo kenne er. Nein, die Anzeige funktioniere: „Das ist Service: Das Logo ist ein Rollstuhlfahrer, die Zeit ist die Wartezeit auf den nächsten ULF. Nur“, setzte F. fort: „Das weiß fast keiner. Die Anzeige wird ja nirgendwo erklärt.“ Ich war gnädig: „Besser als nix.“ – aber F. nicht: „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut.“
Ein paar Tage später schrieb F. eine böse Geschichte über das unbekannte Logo: Der Volksmund, schrieb F., nenne es „Campingklo“. Natürlich, erzählte F. mir später, sei das gemein – aber: „Wenn ich nur schreibe, wofür das Zeichen steht, interessiert das niemanden. Aber so bleibt die Info hängen – und darauf kommt
es an.“