Vormagazin

Ausgabe Februar 2012

Heiß auf Eis - Der Wiener Eistraum 2012.

Gewinn Vor allen anderen...

Benutzen Sie die Hilfslinks zum Navigieren in diesem barrierearmen Dokument.

Volltextsuche

Rottenberg

Toleranzzone

Obwohl wir im grenzenlosen Europa leben, hält sich die Toleranz leider immer noch in Grenzen ...

Rottenberg12 ©Satrapa-Binder

"Beinahe hätte ich mich aufs Rad gesetzt, um selbst nachzuschauen."

M.ist neulich über etwas drübergefahren. Mit dem Fahrrad. Er weiß nicht, was es war, will aber mehr davon. Und obwohl ich versucht habe, mich schlau zu machen, bin ich immer noch ratlos. Aber das macht nichts. Auch, dass Google da genauso wenig Passendes findet wie Wikipedia. Oder die Suchmaschinen von Rathauskorrespondenz und diversen Agenturen: Zu „Toleranzzone“ gehören Prostitution oder Messtechnik. Und der Karlsplatz. Aber keine Fläche am Alsergrund.

Aber interessanter als die (vermutlich öde) Erklärung ist ohnehin das, was M. zu dem Begriff einfiel. Das löste bei mir jenes Herzausreißer-Gefühl aus, das vor 200.000 Jahren Hansi Lang triggerte, als er mir „Keine Angst“ an den Kopf knallte. Mitten im Kalten Krieg. Mitten in der Pubertät. Da sagte einer „Keine Angst“ – und hatte Recht.

Aber lassen wir M. erzählen: „Radelnd“, schreibt er, „war ich bei der Rossauer­kaserne. Da bin ich drübergefahren, über die Toleranzzone – über weiße und blaue Streifen quer über den Weg mit Aufschrift ‚Toleranzzone‘. Schön, dachte ich, Toleranz ist immer gut. Doch bei der Rossauerlände endet die wieder. Was ist eine Toleranzzone? Sollt es was Gutes sein, empfehle ich solche Streifen bei allen Einfahrten nach Wien – und nicht nur auf einem Stückerl Donaukanal.“ Beinahe hätte ich mich aufs Rad gesetzt, um selbst nachzuschauen. Aber dann habe ich es bleiben lassen. Weil M. Recht hat: Es geht nicht um Streifen beim Kanal – sondern um eine Schraffur über der Stadt. Und ob das jetzt wie ein naiver Brief ans Christkind klingt, ist mir vollkommen egal.

Thomas Rottenberg ist Redakteur bei der Tageszeitung „Der Standard“.

von Thomas Rottenberg

Thomas Rottenberg ist Journalist.