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Ausgabe September 2010

Ganz in Rosa: 
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Ganz in Rosa: Pink Ribbon Night 2010

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Rottenberg

Sauna für Angezogene

Die Hoteliers in den heimischen Alpen rüsten ihre Wellnessbereiche auf russisch um. Wegen den Deutschen. Oder umgekehrt?

Rottenberg 01_09 ©Satrapa-Binder

In den Skihotels läuten ständig die Rezeptions-Telefone: Belästigung!

Es war vor ein paar Wochen. Da habe ich zuerst gelacht. Und gemeint, dass man auch Spießigkeit übertreiben könne. Denn dass ein Hotelier in Obergurgl einen 1000 Quadratmeter großen Wellnessbereich errichtete, um ihn als „Angezogenensauna“ zu bewerben, fand ich seltsam: In der Sauna ist man doch nackt. Und wenn wer unbedingt in Badeanzug, -hose oder Bikini schwitzen will – bitteschön. Aber deswegen einen ganzen Wellnessbereich neu bauen? Doch dann erzählte mir ein anderer Hotelbetreiber, dass die Sauna-Frage wichtig sei. Weil hier Welten aufeinanderprallen. So heftig, dass es keine Kompromisse gibt: In der Sauna treffen nämlich Deutsche auf Russen. Und zwar die, die allen Klischees entsprechen: Deutsche, die über Jahrzehnte als Urlauber in Tirols Tälern den Ton angaben. Und Russen, die mit neuem Geld und schlechten Manieren den ­Deutschen nun den Rang ablaufen.   



Auch wenn das Benehmen also ähnlich schlecht ist, gibt es einen zentralen Unterschied: Russen saunieren bekleidet.  Deutsche nackt. Und jeder ist im Besitz der  einzig gültigen Wahrheit. Also läuten in Skihotels ständig die Rezeptions-Telefone: Bekleidete Russen fühlen sich von nackten Deutschen belästigt. Nackte Deutsche fühlen sich von bekleideten Russen begafft. Darum, erklärte mir mein Hoteliersfreund, sei es gar nicht blöd, jeweils eigene Wellnessbereiche zu errichten. Nur, schränkte er ein, sei der Friede oberflächlich: „Klischeetypen finden immer einen Grund, sich gestört zu fühlen. Aber wenn sie ganz bekleidet sind, versuchen sie länger, zivilisiert zu wirken. Nach ein paar Minuten ist der Lack dann in jedem Fall ab.“



Thomas Rottenberg ist Redakteur bei der Tageszeitung „Der Standard“.

von Thomas Rottenberg

Thomas Rottenberg ist Journalist.